Trebichow

( Trzebiechów)
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Kirche Trebichow liegt ca. 20 km nordwestlich von unserer Kreisstadt Crossen/Oder.
Von Frankfurt/Oder kommend, erreicht man Trebichow, indem man am Baronenberg links von der Reichsstraße 5, die von Frankfurt/Oder über Crossen weiter nach Schlesien führt, auf eine Chaussee abzweigt, die dann über Trebichow und Heidenau weiter in das Sternberger Land führt. In Trebichow selbst zweigten mehrere Dorfstraßen von der Chaussee ab.

Herrenhaus

Bei Einwohner- und Viehzählungen wurde der Ort oftmals in dazu gehörende Ortsteile unterteilt:


Im Jahr 1806: Das Dorf bestand aus 32 Häuser
und 352 Einwohner.

  1844 1852
Dorf 43 Häuser;  352 Einw.  358 Einw,
Kapellenhof  -   12 Einw.
Frankerei  4 Häuser;  31 Einw.   24 Einw.
Methschäferei  2 Häuser;  12 Einw.   17 Einw.
Teerbuden     14 Einw.

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Eine Viehzählung ergab am 20.03.1865:

   Pferde  Kühe+Kälber  Schweine  Schafe
 Im Dorf  21  139  86      54
 Gut  20    37  32  
 Kapellenhof        1      400
 Frankerei        1300
 Methschäferei        9      300


Die oben erwähnte Frankerei ist auf einer alten Kreiskarte von 1854, gezeichnet von Witzleben, noch eingezeichnet. Die Karte hängt im ”Haus Brandenburg“ in Fürstenwalde. Diese Schäferei lag in der Trebichower Forst ca. 5km nördlich vom Ort, Richtung Groß Gandern. Wahrscheinlich wurde die Bewirtschaftung ca. 1880 aufgegeben. Erstaunlich ist die umfangreiche Schafhaltung, jedoch wurde Wolle und Leinen seinerzeit für die Bekleidung und Wäsche gebraucht.
Die Teerbuden sind auf der Kreiskarte von 1934 eingezeichnet. Die Teerbuden werden als Köhlerei erwähnt und liegen östlich von Heidenau vor der Bahnstrecke Pleiskehammer. Die Kohle wurde zum Einschmelzen von Raseneisenstein in Pleiskehammer gebraucht.
Die Methschäferei gehörte zum Gut. Der Schäfermeister Gustav Deichsler wohnte dort und betreute das Vieh. Ca. 350 Schafe und ein Teil der 70 Jungkühe befanden sich dort. Der Schäfer und seine Frau mussten noch einige Jahre nach dem Krieg dort verbleiben und die Schäferei erhalten.

Zur Infrastruktur
Trebichow, im nordwestlichen Teil des Kreises Crossen gelegen, hatte im Jahr 1939 bei der letzten Zählung 339 Einwohner. Im Dorf bewirtschaften neun Bauern je 20 bis 29 Hektar, zusammen ca. 322 ha.
Der größte Bauer mit 29 ha war der Gastwirt Wilhelm Paschke, Hausnummer 28. In den Hektarangaben ist der Wald mit enthalten, der oftmals den größeren Teil einnahm. Trebichow bekam 1926 elektrisches Licht und Kraftstrom.

Zu den Bauernhöfen gehörte ein großer Hofraum und Garten. Es wurde auch viel Federvieh gehalten, besonders Hühner und Gänse. Jeder hatte auch einen Obstgarten und besonders viele Pflaumenbäume. Im Herbst wurde dann Pflaumenmus gerührt. Auf vielen Grundstücken war ein Backofen, wo das Brot und auch Kuchen für die Familie gebacken wurde. Die gebackenen Roggenbrote von drei bis fünf Kilo reichten bei guter Lagerung im Keller bis zu drei Wochen. Schließlich mußte die Großfamilie versorgt werden. Auf den Bauernhöfen lebten neben dem Bauern und seiner Frau oftmals noch vier bis fünf Kinder und auf dem Altenteil die Eltern vom Bauern. Außer einer Arbeit auf dem Gut oder in der Gutsforst gab es im Ort nichts. So erlernten viele Jungen in Nachbarorten den Beruf Maurer oder Zimmermann. Später waren sie die Woche über in Berlin oder anderweitig tätig. Der wesentlich höhere Verdienst lockte auch.

Doppl.Klick für Großformat Ortsplan - handgezeichnet Die Gaststätte Paschke, Nr. 23. wurde Ende der 1920er Jahre durch einen modernen Saal mit Bühne und Ausschank sowie einem Vereinszimmer erweitert. So konnte nun die Feuerwehr, der Radfahrer-, Krieger- und Frauenverein so richtig feiern und auch Maskenbälle fanden statt. Vor dem Saal auf dem Vorplatz war Platz für Schausteller mit Karussell, Würfeln und Schießbude, gelegentlich auch für einen Zirkus. Gegenüber auf dem Grundstück Geller befand sich früher der Krug-Krüger.

Im oberen Dorfbereich gab es den Stellmachermeister Teppich in Nummer 24, und bis 1935 auch noch denLebensmittelladen Grumm in Nummer 24A.

Der Schmiedemeister Gambig in Nummer 26 versorgte die Bauern und das Gut mit seinen Arbeiten, die Schmiede selbst gehörte dem Gut. Während des Krieges versah der Schmiedemeister auch noch das Bürgermeisteramt.
Die Fleischerei Harmuth in Nummer 31 war bis Kriegsbeginn noch geöffnet.

In der Lenze, etwas vom Dorf entfernt, gab es noch 3 Grundstücke. Auf dem Weg dorthin lag das Haus des Gendarmen Hauptwachtmeister Schimkus. Dieser war für Trebichow, Heidenau. Riesnitz, Drehnow, Klebow und Pleiskehammer zuständig.
Zur Geschichte des Ortes
Unser Dorf Trebichow ist ein Angerdorf. Um den Anger herum befanden sich ca. 10 Gehöfte der Kossäten, deren einzelne Wirtschaften je um 20 Hektar betrugen. Auf dem unteren Teil des Angers befand sich unsere Kirche.
In einer Urkunde aus dem Jahre 1308 aus der Staatsbibliothek in Berlin ist die Notiz zu lesen, daß ”Trebechow “zum Sprengel des Bischofs von Posen gehörte. So schrieb es der Schulrat Metzdorf in dem Heimatbuch.
Urkunden von 1437 und 1470 im Geheimen Staatsarchiv Berlin belegen, daß um 1500 die von Löben als Lehnsmannen der Markgrafen, 1583 die von Winterfeldt im Ort waren. Hier wohnten nur rund 18 Kossäten.
In den Besitz des Rittergutes kamen 1748 die begüterten Grafen von Finkenstein. Ab 1815 die Grafen von Voß, danach die von Schierstedt. 1938 übernahm Karl von Seydlitz- Kurzbach das Gut.

Doppl.Klick für Großformat Ein wichtiges Dokument, das die Verhältnisse auf dem ”platten Lande“ zur damaligen Zeit darlegt, ist die Klassifikation von 1718/19.
In Trebichow gab es laut Klassifikation 18 namentlich aufgeführte Gärtner. (Die Gärtner hatten um ihr Haus ein eingezäuntes Stück Feld oder Garten. Gärtner wurden in Schlesien die Kossäten genannt)
Ein Scheffel Aussaat erbringen drei Scheffel Ernte. Bei dem Ernteertrag ist für die Aussaat ein Scheffel mit eingeschlossen, somit zwei Scheffel Reinertrag.
Der Gutsbesitzer Hauptmann Alexander Ludwig von Winterfeld besaß das Gut mit acht Ritterhufen und sechs 2/3 Kossäthenhufen. Der Krüger schänkte 20 Tonnen Bier aus, mit drei Groschen Verdienst an jeder. Die Namen der Gärtner Schulze, Penack, Krüger und Streich haben sich im Ort bis zur Vertreibung aller seiner Einwohner 1945 erhalten. Es gab damals keine Bauern in Trebichow!
Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) befand sich bei Trebichow ein großes russisches Heerlager. Durch feindliche Plünderungen im August 1759 wurde viel Geld geraubt. Der Schäfer, bei dem mehr Geld vermutet wurde, wurde getötet. Die vergrabene Kirchenkasse in Kurtschow wurde ebenfalls geplündert.
Laut ”Bratring“ wird im Jahre 1806 für Trebichow aufgeführt:
  ♦ Gutsbesitzer : Graf von Finkenstein zu Drehnow
  ♦ 18 Gärtner, 6 Büdner und 7 Einlieger
  ♦ 2 Teeröfen
Für das Jahr 1844 wird der Graf von Voß als Gutsbesitzer genannt.

Zur Kirche
Die Kirche wurde vom Graf von Finkenstein 1757, das Herrenhaus 1758 erbaut. Die Kirche ist ein achtseitiger, an den Ecken mit Lisenen (senkrechte, aus der Mauer heraustretende, Streifen) eingefasster Zentralbau. Die Fenster sind Barock, je ein Zugang in der Mitte der Nord-, Süd-, West- und Ostseite.

Das ziegelgedeckte Pyramidendach trägt einen achteckigen, mit Schiefer gedeckten Aufbau. Auf einer geschweiften Haube sitzt eine Laterne (türmchenartiger Kuppelaufsatz). Obendrauf ziert eine Wetterfahne mit der Inschrift ”G.v.F. 1757“ (Graf von Finkenstein). Die Glocke hat einen Durchmesser von 70cm.

Die Kirche brannte nach der ersten Vertreibung der Dorfbewohner im Februar 1945 ab, der Rest der Kirche wurde von den Polen gesprengt.
Kirche

Das Gut
Herrenhaus Das Gut Trebichow wurde bis 1937 von Joachim von Schierstedt bewirtschaftet. Die Gesamtgröße des Guts betrug 2264 ha. Die Grundsteuer- Reinertrag betrug 7187 Reichsmark.

Die Aufteilung der Gutsfläche:
•  Acker einschließlich Garten 808 ha
•  Wiesen 45 ha
•  Weiden 12 ha
•  Holzungen 1806 ha
•  Umland, Hofraum, Wege 98 ha

Diese Angaben sind einem statistischen Formular von 1929 entnommen.

Im Jahr 1938 kaufte der Verwandte Carl von Seydlitz-Kurzbach das Gut. Das Heidenauer Gut verkaufte er an von Latten. Nahezu ein Drittel der Ortsbewohner arbeitete auf dem Gut. Die Löhne waren mäßig, jedoch hatten die meisten eine gutseigene Wohnung und bekamen Deputat (Naturalien wie Getreide, Kartoffeln, Holz, kleine Viehhaltung usw.).

Das Herrenhaus wurde 1758 vom Graf von Finkenstein erbaut. Um das Herrenhaus mit Vorplatz war ein breiter rechteckig angelegter Wassergraben. Die Wasserzufuhr erfolgte vom Kutengraben her. Ein artesischer Brunnen hinter der Gutsbrennerei, dessen Wasser zur Kühlung der Milch vom Kuhstall benutzt wurde, gelangte ebenfalls in diesen Graben. Über diesen Wassergraben führten vier Brücken.
Der Hauptweg, vom Gutshof kommend, führte über den Vorplatz hinweg zum weißen Tor, die andere Brücke mit Sichtachse vom Haus zur Kirche. Der Weg dorthin war eingesäumt von einer Lindenallee. Die vierte Brücke führte hinter dem Herrenhaus in Richtung Trebichower See, in den auch der Abfluß des Wassergrabens erfolgte.

Eine Gutsgärtnerei mit Wohn- und Gewächshaus befand sich zwischen dem Weg zum weißen Tor und dem Weg vom Herrenhaus zur Kirche. Der Gärtnermeister Schäfer bewirtschaftete die Gärtnerei bis Kriegsbeginn. Rechtsseitig zum weißen Tor hin, lagen die sogenannten Schloßwiesen.
Auf dem Weg vom Ort zur Försterei vor dem Albertinenbusch, stand linksseitig eine 1000 jährige Eiche. Eine alte Kreiskarte bezeichnete diese als Rübezahleiche.
Doppl.Klick = Schloss-Plan

Doppl.Klick = Seen-Kette In der zum Gut gehörenden Försterei wohnte und versah der Förster Balke bis 1933 seinen Dienst. Dann folgte der Förster Buchholz, der 1938 nach Riesnitz ging. Anschließend kam der Förster Schulz, der aber bald Soldat wurde. An der Försterei teilte sich der Weg, einer führte nach Teichwalde (früher Skyren), der andere nach Radenickel. Auf dem Weg nach Radenickel, musste man noch den Abfluß vom See überqueren, die Linske. Um die Försterei herum gab es noch mehrere Teiche, den Padden-, Backofen-, Neuer-, Wiesenteich usw. Ein größerer Teich war noch der Strümmel- Laug.

Der Fischermeister Franz Müller, der dort im Kapellenhof wohnte, war für die Arbeiten an den Teichen zuständig. So wurden von diesen viele Hundert Zentner einjährige Besatzfische abgegeben, aber auch Speisefische, wie Karpfen und Schleie.
Die zweite Försterei war hinter der Methschäferei Richtung Heidenau. Hier war der Förster Fielisch tätig. Die Trebichower Forst war über 1000 Hektar groß, reichte bis zur Pleiske. In den Waldungen gab es große Rot- und Schwarzwildbestände.

Auf dem Gut wurden 50 bis 60 Schweine gehalten. Die Sauen wurden ganzjährig in Schweinehütten eingestallt, wahrscheinlich um den Nachwuchs an Ferkeln abzuhärten. 30 Pferde und einige Ochsen wurden auch noch für die Feldarbeit gebraucht.

Einige Technik war aber schon da, ein Lanz- Bulldog und ein Framo- Trecker, ebenso Mähbinder bzw. Ableger. Ein Gutstellmacher verrichtete die anfallenden Reparaturarbeiten an den Ackerwagen und anderen Holzgeräten.

Die Blockhäuser
Im unteren Teil des Angers befanden sich noch zwei strohgedeckte Blockhäuser, das ältere aus dem Jahr 1663. Diese Häuser standen auf den Grundstücken von Streich und Hennig (Veits).

Sie standen unter Denkmalschutz und mussten bei Neueindeckungen mit Schilf eingedeckt werden.

Ein drittes Blockhaus mit Stall befand sich im oberen Teil des Dorfes, bewohnt vom Tischler Hennig, der auch als Nachtwächter tätig und für die Arbeiten in der Schule und Kirche zuständig war. So läutete er täglich um 12.00 Uhr und um 18.00 Uhr und sonnabends das Wochenende ein, sowie zu Sterbe- und Beerdigungsgottesdiensten und Hochzeiten. Das bewohnte Grundstück gehörte dem Gastwirt Paschke.
Blockhäuser

Grundriss eines Blockhauses Auch diese Gebäude standen unter Denkmalschutz. Die Wände der Häuser bildeten gewaltige behauene Holzstämme. Kleine Fenster ließen wenig Licht in die Wohnungen, die weiß getüncht waren. Die Räume waren in Winter warm und im Sommer kühl.

Von der Chaussee in Richtung Gut befand sich zur linken Seite eine Baracke; früher für Schnitter (auswärtige Erntehelfer) genutzt, waren im Krieg dort Gefangene untergebracht.
Auf dieser Seite weiter war der Eiskeller gelegen - eine Erdgrube mit Eingang und strohgedecktem Dach. Hier wurden im Winter ausgesägte Eisblöcke eingelagert, die im Sommer zur Kühlung der Speisen gebraucht wurden.


Die Schule
Mindestens seit der Zeit des Königs Friedrich des Großen wurden die Kinder aus Trebichow und Heidenau in Catechismus, Lesen und Schreiben unterrichtet. Im Landesarchiv Brandenburg/Potsdam befindet sich ein Protokoll von einer Schulrevision aus den Jahre 1765:
”Lt. Protokoll vom 21.04.1765 aufgezeichnet in Gegenwart des Herrn Hauptmann von Fritzen. Pastor der Pfarrgemeinde (Parochie) ist Johann Michael Friedrich Deutschmann seines Amtes im 22ten Jahr. Pastor ist auch Johann Friedrich Bartsch, welcher hier neun Jahre im Amte steht. In Trebichow ist Schulhalter Michael Hennig, ein Cossäthe, der seit drei Jahren die dortige Schularbeit übernommen hat (Beginn 1762).“
Anmerkung: Unterrichtet wurde die Wiederholung der vorangegangenen Predigt, neben dem Catechismus und Gesang aus dem Züllichauer Gesangbuch. Bei einer Schulrevision am 14. May 1770 in der Trebichower Kirche waren 30 Kinder aus Trebichow und Heidenau im Beten/Lesen und Catechismus geprüft worden und alles war in guter Ordnung befunden worden. Einige Knaben haben Schreiben gelernt und Schreibbücher vorgezeigt. Die Eltern werden aber immer wieder angemahnt, die Kinder nicht von der Schule fernzuhalten. Doch diese benötigen die Kinder für die Feldarbeit.

Im Jahre 1863 wurde der Lehrer Schulz aus Radenickel in Trebichow als Küster und Lehrer berufen. Im Potsdamer Archiv befindet sich folgendes handgeschriebenes Schreiben:
”Der Herr Graf von Finkenstein beruft den Lehrer Schulz nach dem verstorbenen Küster und Lehrer Kopsch nach Trebichow. Zu den Pflichten gehörte als Küster auch die Reinigung des Kirchengebäudes, das Anschlagen der Betglocke täglich 12.00 Uhr mittags und abends bei Sonnenuntergang sowie am Sonnabend Nachmittag das Einläuten des Sonntags und desgleichen der Festtage tags zuvor. Wie das in den umliegenden Dörfern Brauch ist. Ebenso das Vorläuten an Sonn- und Festtagen, wofür eine Zulage des Patronats und der Gemeinde gewährt worden ist.“

Im Jahre 1875 wurde in der Gemeinde der Lehrer und Küster Otto Schultze aus Sommerfeld zwecks Anstellung zum 23.04.1875 geprüft; danach hat er bis 1895 unterrichtet bei derzeit 70 Kindern.
Ab Dez. 1895 unterrichtete der Lehrer Karl Schulz in Trebichow, zuvor war er Lehrer in Heidenau.

Für das Jahr 1899 gibt es folgende Übersicht:
 Trebichow Dorf  272 Seelen  48 schulpfl. Kinder  40 Hausväter;
 Trebichow Gut  120 Seelen  22 schulpfl. Kinder    7 Hausväter
 Gesamt  392 Seelen  70 schulpfl. Kinder  47 Hausväter

Im Okt. 1919: Karl Schulz geht in den Ruhestand (behält aber die Lehrerwohnung) Als Nachfolger bewirbt sich Otto Lucas aus Weißig (er muß jedoch noch die zweite Lehrerprüfung machen) bei der Kreisschulinspektion Beutnitz um die Lehrerstelle in Trebichow (zehn Gesamtbewerber, drei kommen in die engere Wahl). Endlich zum 01.07.1920 kommt von der Regierung Frankfurt/ Oder für Lehrer Otto Lucas die Bestätigungsurkunde. Mit Kriegsbeginn wird Lehrer Lucas zum Kriegsdienst eingezogen. Während des Krieges sind mehrere Aushilfslehrer bzw. - lehrerinnen tätig.
Am 07.Mai1942 tritt die Lehrerin Frl. Margarete Brinkmann die Stelle mit der Verbeamtung an. Die Schule in Trebichow wurde wahrscheinlich um 1900 gebaut. Die Gebäude, das Grundstück und der Schulacker waren Gemeindeeigentum. Das Haus mit Stall wurde in den letzten Jahren an privat verkauft.
Bewohnt wird es heute von einer Lehrerin - jetzt Rentnerin - die in Tammendorf unterrichtete. Der Klassenraum ist Kindergarten geworden. Selbst die drei Aborte stehen noch.
Das Jahr 1945
Am 3. Februar 1945 kamen aus Richtung Heidenau die ersten russischen Panzer und Kosaken auf Pferden. Bei diesem Einmarsch kam es zu keinerlei Kampfhandlungen, es fiel kein Schuß. In den nächsten Tagen kam es schon zu schweren Ausschreitungen mit Todesfolge und Vergewaltigungen. Die Männer zwischen 15 und 65 Jahren wurden abgeführt. In Radenickel fanden zwei von ihnen den Tod. Da der Vorstoß der Russen an der Oder zum Stehen kam, wurde auch unser Ort Frontgebiet und wurde ab 5. Februar 1945 geräumt.
Es begann nun in den kalten Wintertagen ein Leidensmarsch für die Frauen mit ihren Kindern und den Alten. Es wurde zum Teil im Wald übernachtet und die Säuglinge erfroren in den Kinderwagen. Auf Umwegen, besonders Waldwegen, mußten sie in Richtung Osten – Schwiebus – ziehen. Auf dem Weg starben einige an Hunger und Entbehrungen bzw. wurden erschossen, denn immer wieder wurden Frauen missbraucht.
In diesen Tagen versuchten noch vereinzelt versprengte deutsche Soldaten, sich durchzuschlagen, diese wurden auch erschossen. Im Juni 1945 mußte mein Vater diese in der Feldmark gefundenen Soldaten verscharren. Ihre Papiere durften nicht entnommen werden

Während dieser ersten Vertreibung wurde das in Trebichow zurückgelassene Vieh abtransportiert. Die Kühe wurden als Herde zusammengetrieben und zwecks Verschiffung in Richtung Ostsee getrieben. Einige Männer und Frauen mussten die Herde unter Bewachung versorgen. Ein Bauer von denen ist ein Jahr später in der Ukraine verstorben. (Der Bescheid kam 2005!)

Nach Kriegsende, um den 27. Mai 1945, kehrten viele Einwohner wieder zurück. Ihr Erstaunen war groß, viele Häuser waren abgebrannt, auch die Kirche und das Herrenhaus. Der Schaden war nicht durch Kriegseinwirkung entstanden.
Die Zurückgekehrten begannen mit dem Aufräumen und suchten noch Brauchbares zusammen. Während unserer Abwesenheit hatten sich auch schon einige Polen im Ort niedergelassen.

Am 24. Juni 1945 wurden die Einwohner von der polnischen Miliz aufgefordert, sich in zwei Stunden mit Handgepäck auf der Dorfstraße einzufinden. Nun begann die endgültige Vertreibung, alles zu Fuß, ob Kind oder Greis. Alte, die im Straßengraben sitzend zurückblieben, galten später als Verschollene! Nach beschwerlichem Weg wurden die Leute bei Ratzdorf über die Oder gesetzt.

Einige Familien hielt man als Arbeitskräfte zurück, so auch meine Eltern und Geschwister. Mein Vater war als Eisenbahner bei Kriegsende in Berlin tätig. Von dort wurde er als Gefangener nach Trebbin ins Lager gebracht. Er flüchtete von dort und schlug sich zu Fuß nach Hause durch. Aus unserem Haus mußte er mit seiner Familie raus und in eine Gutswohnung ziehen. Auf dem Gut mußte er dann in der Brennerei arbeiten und Pferde versorgen. Für die Familie war es eine harte Zeit. Meine Schwester, die angeblich einen Polen beleidigt hatte, wurde in Crossen grundlos eingesperrt. Im November 1946 durften sie dann weg.

In meiner Einwohneraufstellung Stand Februar 1945 habe ich 306 Personen aufgelistet. Hier sind auch die mit enthalten, die Soldat waren oder im Krieg bereits gefallen waren.
Von denen sind 14 als Soldat gefallen oder vermißt.
34 Zivilpersonen sind im Februar 1945 bzw. kurz danach ums Leben gekommen bzw. nahmen sich das Leben.
Vier verschleppte männliche Personen starben in Rußland. Die Benachrichtigung kam um 2005.

Grundlage für diesen Bericht war eine Ausarbeitung von    Hans Pohle
  Änd 06.01.2018
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