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Crossen/Oder
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Aktuelles Kreis Crossen/Oder
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  • Geographische Lage

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Crossen/Oder (1939 = 10 791 Einwohner ) liegt idyllisch an der Oder in günstiger strategischer Lage.Bereits zur Wendenzeit bestand hier eine Furt über die Oder. Hier kreuzten sich mittelalterlichen Handelswege von Frankfurt/Oder - Grünberg - Breslau mit der sächsischen Route von Cottbus nach Posen. Nahe bei Crossen mündet der Bober in die Oder.

  • Geschichtliches

Die Geschichte von Crossen/Oder beginnt mit der Wendenzeit nach der Völkerwanderung. Vor dieser Zeit existieren keine schriftlichen Dokumente.Der Name Crossen wurde erstmals bei der Beschreibung des Polenfeldzugs des deutschen Kaiser Heinrich II im Jahre 1005 erwähnt.Die Gegend um Crossen gehörte bis 1163 zum Herrschaftsbereich der polnischen Fürsten.Die Burg von Crossen war damals wahrscheinlich Hauptort der wendischen Besiedlung.Ab 1163 herrschten die schlesischen Piasten über Crossen.
Der brandenburgische Kurfürst Albrecht vermählte 1474 seine damals 11-jährige Tochter Barbara mit den bejahrten Piastenherzog Heinrich XI von "Niederschlesien-Glogau-Crossen", der 1476 kinderlos starb. Die Erbansprüche des brandenburgischen Kurfürsten führten 1478 zum sogenannten schlesich-märkischen Erbfolgekrieg.

Nach dem schlesisch-märkischen Erbfolgekrieg kam das Crossener Land mit dem Frieden von Kamenz 1482 an den brandenburgischen Kurfürsten, der sich fortan auch "Herzog in Schlesien zu Crossen" nannte. Im Wappensaal des Schlosses Berlin-Köpenick erinnert noch heute das Wappen vom Herzogtum Crossen an diesen Sachverhalt. Crossen blieb nunmehr 463 Jahre lang brandenburgisch.
Heftig umkämpft war Crossen wegen seiner strategischen Lage im 30-jährigen Krieg. Schwedische Soldaten brannten Crossen 1631 fast vollständig ab.Die Schwedenschanzen kurz vor dem Ortsschild von Crossen an der Gubener Chaussee erinnerten uns noch an diese Zeit.
In den schlesischen Kriegen war Crossen stets Ausgangspunkt der Heere Friedrich des Großens.
Große Brände gab es in Crossen 1631 und 1708; immer wieder wurde die Stadt durch seine Bürger neu aufgebaut. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen im Febr. 1945 erlebt Crossen den letzten großen Brand. Das war der Untergang unserer damaligen Kreisstadt Crossen/Oder.

 Eine detailiertere Beschreibung der Stadt Crossen/Oder ist durch Herrn   D.Schulz   ins Internet gestellt worden - siehe unter Telta .

  • Das heutige Crossen/Oder - immer eine Reise wert

Das Zentrum von Crossen (Oder) - der Markt und seine Nebenstraßen hätten heute einen Ensemble-Denkmalschutz verdient - aber das gibt es nicht mehr. Angehörige der Roten Armee haben es, wie Augenzeugen berichteten, mutwillig niedergebrannt, als sie Mitte Februar 1945 die kaum beschädigte Innenstadt besetzten. Nur weniges, u.a. die Kirchen und Schulen, ließen sie unangetastet. Crossen erlebte in seiner langen Geschichte mehrere Brandkatastrophen. Immer wurde die zerstörte Stadt wieder von ihren Einwohnern aufgebaut. Leider kam nach 1945 von den neu angesiedelten polnischen Bürgern kein Wiederaufbau der historischen Altstadt in Gang. Trotzdem ist die Stadt an der Bobermündung eine Reise wert.
Ein steil 40 m ansteigender Berghang unmittelbar am Nordufer und eine ähnliche Höhenstufe ein paar Kilometer südlich davon (die Rusdorfer Berge) rahmen hier das Urstromtal hervorragend ein. Das ist in jeder Jahreszeit eine Landschaft mit großem Reiz.
Der Autofahrer erreicht Crossen rasch von Frankfurt/Oder oder Guben. Wer sich auf den Weg macht, sollte sich bewußt sein, daß er ins schlesische Brandenburg fährt. Crossen, Züllichau und Umgebung waren im Mittelalter Teil eines Piasten-Herzogtums. Die Hohenzollern erwarben das Gebiet 1482 durch Krieg und Erbschafts-Kompromiß-Vertrag. Fortan fühlten sich die Einwohner der Städte und Dörfer als Märker und Preußen. Doch insbesondere die Landbevölkerung blieb bis zur Vertreibung 1945 bei ihrer schlesisch gefärbten Mundart. Auch ein starker kultureller Wind wehte stets aus Südosten.
Der Autofahrer parkt am besten auf dem einstigen großen Marktplatz. Der Busbahnhof liegt nur wenige Schritte entfernt. Der Besucher schaut direkt auf die mächtige frühere St.-Marien-Kirche. Bis 1945 überragte nur der barocke Turm die recht steilen Dächer der nach dem Großfeuer von 1708 mit einheitlich hohen Fensterreihen und Traufen erbauten Geschäfts- und Wohnhäuser.
Crs aus der Luft
Bildmitte: Glogauer Str. bis zum Markt
     Rechts: der Neumarkt
Jetzt bestimmt dagegen das Bild das gesamte einst gotische, nach 1708 barock gestaltete Gotteshaus, das die polnischen Katholiken der Heiligen Hedwig weihten. Damit fanden sie Verständnis bei den ehemaligen deutschen Einwohnern. Auch diese sahen die bayerische Grafentochter, die jung Schlesiens Herzog Heinrich I. den Bärtigen, heiratete, als die bedeutendste geschichtliche Persönlichkeit des Ortes an. Sie weilte mehrfach mit ihrem Gatten im damals wasserumgebenen Piastenschloß. Sie erhielt hier als Witwe 1241 die Nachricht vom Tod ihres Sohnes in der Mongolenschlacht bei Liegnitz-Wahlstatt.
Wer in Crossen aufwuchs oder auch nur zeitweilig lebte, verfiel offensichtlich dem Fluidum des Ortes und blieb ihm bis zum Lebensende verbunden. Das fühlt der Besucher, wenn er beim Rundgang über das Pflaster aus schlesischem Granit stapft, das etwa seit 1900 in den Straßen der Altstadt liegt. Der Millionär Schaede, der den größten Industriebetrieb (ZEMAG) der sächsischen Stadt Zeitz schuf, schenkte es seinem Geburtsort, indem er ihm zwei Drittel seines Vermögens vermachte.
Von gleicher Heimattreue erzählt dem Wanderer der stets sichtbar bleibende Kirchturm. Als sein Vorgänger aus Holz 1886 von einem Orkan umgeweht wurde, fertigte der damalige Leipziger Stadtbaumeister Hugo Licht kostenlos die Pläne für den kupferverkleideten Neubau.

Elisenbrücke
Elisenbrücke - Glogauer Str.
     Im Hintergrund: die Marienkirche
Weiter als bis zur Elisenbrücke über den breiten Stadtgraben am Südrand der Altstadt braucht man nicht zu gehen. Jenseits davon gibt es an den Ausfallstraßen nach Grünberg und Guben kaum Sehenswertes. Das Hospital St. Georg verschwand Anfang der 1980erJahre. Am Höhenrand gut 2 km entfernt verläuft die Leipzig-Cottbus-Posener Bahn. Dort gelangt man auch zum Bahnhof. Etwas weiter in Richtung Guben liegt jetzt Crossens Industrieviertel mit dem Hartfaserplattenwerk an der Schwedenschanze.

Es empfiehlt sich also, kehrt zu machen und östlich parallel zur Verkehrsachse wieder der Hauptkirche zuzustreben. Dabei grüßt in der ulica Walki Modych (Münchenstraße) nahe dem Postamt an einer Seite eine erhaltene kurze ganz schlichte Gebäudezeile, ein Beispiel der Alt-Crossener Nebenstraßen-Gestaltung.
Ostwärts der Marien- bzw. Hedwigskirche, die innen polnische Künstler farbenprächtig neu ausgestaltet haben (Barockstil von 1975), verdient der Schulkomplex Beachtung. Hier lernten u.a. fürs Leben der Dichter Alfred Henschke. genannt Klabund, der Philosoph und Schriftsteller Rudolf Pannwitz, der Mexiko-Forscher Eduard Seler, der Reichstagsabgeordnete der Hitler-Partei und begabte Verseschmied Herybert Menzel sowie eine ganze Reihe von Professoren, die in den alten und neuen Bundesländern wirkten. Eine Klabund-Büste entfernten 1934 die Crossener Nationalsozialisten aus der Aula des Gymnasiums. Sie mochten den Apothekersohn und romantischen Expressionisten nicht, der seine Heimatstadt in seinen Werken oft erwähnte und ihr die schöne Ode "Wo der Bober in die Oder. wo die Zeit mündet in die Ewigkeit..." widmete.

Gleich hinter dem Gymnasium liegt das Schloßgebiet. Die zwischen Wällen einen Hof im Rechteck umgebenden Flügel gingen 1945 wie die übrige Stadt in Flammen auf. Die polnischen Kommunalpolitiker haben die Außenmauern stehen lassen. Sie würden den Wiederaufbau der geschichtsträchtigen Ruine, die allerdings kein Überbleibsel eines Baukunstwerkes ist, gern sehen.
Doch bisher gelang nur die Restaurierung des Torturms, in dem ein lokales Museum eingerichtet wurde, und unmittelbar angrenzender Bauteile. Es fehlten die Geldmittel dafür, den großen Rest, der nach der Piastenzeit als kurfürstlich-königliches Amt, als Kaserne, als Behördenhaus und auch zu Wohnzwecken diente, wieder herzurichten und einem sinnvollen Zweck zuzuführen.
Am Rande des Busbahnhofs entlang strebt der Besucher der Oder zu. Er erblickt dabei kubisch befestigte Reste der nördlichen Stadtmauer, die bis 1945 zwischen Häuserzeilen und Höfen versteckt waren. Die Inschrift einer kleinen Anlage erinnert daran, daß die Händler- und Handwerkersiedlung zwischen dem Schloß und dem Fischerkietz um 1232 Stadtrecht erhielt. Ein Spaziergang auf dem befestigten Weg längs des Odersüdufers gewährt freien Blick auf die historischen Rebenhänge (später Obstgärten) jenseits des Stromes, auf die Villen der Gründerzeit, auf eine erhaltene der einst beliebten Berggaststätten (jetzt Kulturhaus) und auf das Wehrmacht-Offizierskasino, das das polnische Heer nutzt.
Schloß
Das Schloß
  leider durch das Gymnasium im Vordergrund etwas verdeckt
Westlich der Oderbrücke kommt am Nordufer die Andreaskirche deutlich ins Blickfeld. Sie ist das älteste Gotteshaus der Stadt. Schon im I2. Jahrhundert setzten die damaligen Fischerfamilien beim Kirchgang zu ihr über. Beim letzten Neubau um 1827 mischte kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel mit, indem er - als Genehmigungsbehörde - den Entwurf des beauftragten Baumeisters veränderte und so für eindrucksvolle neogotische Formen sorgte.
Andreaskirche
Andreaskirche
Nun ist ein Gang über die Oderbrücke fällig. Von der Nordrampe geht es ein Stückchen jene Straße hinauf, die König Friedrich II. anlegen ließ, damit seiner Artillerie gefahrlos hinunter zur Oder Richtung Schlesien rollen konnte.

Von dem jetzt nur für den Anliegerverkehr erlaubten Verkehrsweg zweigt rechts der Weg in den Stadtpark der polnischen Bürger ab.
Bobermündung
.. wo der Bober in die Oder mündet!
Dort steigen wir an der Freilichtbühne vorbei steil auf genauso wie es die deutschen Grabstätten im Laufe des 19. Jahrhunderts machten.
An der Hangkante des ehemaligen Bergfriedhofs verläuft Richtung Offizierskasino eine Promenade. Von ihr aus schweift der Blick über den Strom, den Rest der Altstadt, die weiten grünen Auen, die sie umgeben. bis hin zu den Hügeln Niederschlesiens, in jeder Jahreszeit ein herrliches Bild!

Zur Abrundung des Eindrucks vom heutigen Crossen geht es nordwärts weiter durch das Parkwäldchen, in dem irgendwo ungekennzeichnet die Asche Klabunds ruht, zur Hauptstraße der polnischen Stadt auf der Höhe. Hier haben sich die nach dem Krieg neu angesiedelten Polen neben den Wehrmacht-Kasernen mit mehrgeschossigen Bauten ihr Wohn- und Geschäftsviertel geschaffen.

Denen, die bis zur Rückkehr zu Auto oder Busbahnhof noch Zeit und "Fußkraft" haben, sei das Aufsuchen weiterer Aussichtspunkte (auch mit Pkw anfahrbar) auf den Oderhöhen bis Merzdorf (Marcinowice) im Westen und Goskar (Gostchorze) im Osten angeraten. Sie können dabei hinunter auf die Reste des Fischerkietzes, die alte und die neue Bobermündung schauen und sich der Anmut der Landschaft "an der Grenze Schlesiens und der Mark" (Klabund-Wort) erfreuen.
  Änd 01.01.2017
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