Skyren
Teichwalde

( Skórzyn )
 Titelbild

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Skyren liegt ca. 12 km nordwestlich von unserer Kreisstadt Crossen/Oder.
Von Crossen/Oder auf der Reichsstraße 5 kommend, erreicht man Skyren, indem man zwischen Güntersberg und Radenickel rechts in Richtung Baudach abbiegt.
Schloßteich

Skyren hieß ab Oktober 1937 Teichwalde und hatte 1939 etwa 450 Einwohner.
Doppl.Klick für Großformat Zur Geschichte des Ortes
Es ist eine altwendische Gegend, in der Skyren liegt. Aus der Entstehungszeit des Ortes, von seinem früheren werden und wachsen, seiner Christianisierung und Germanisierung ist uns nichts Genaues bekannt.
Die Einwohner waren natürlich von jeher meistens Landwirte. Sie teilten sich in Bauern und Gärtner, später Kossäten genannt.
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Zur Geschichte des Rittergutes
Das älteste bekannte Gutsherrengeschlecht in Skyren ist das derer von Grünberg. Diese Familie wurde etwa um 1495 vom Johanniterorden, der sich in der Neumark und im Sternberger Land festgesetzt hatte, durch den Burggrafen Christoph zu Dohna mit den Gütern Zettitz und Baudach belehnt. Die von Grünberg und ihre Nachkommen blieben in Zettitz und später auch in Skyren bis 1693. Unter ihnen wurde l570 die Zettitzer Kirche und etwa 50 Jahre später der zugehörige Turm gebaut.
Zu ihrer Zeit erlebten die Einwohner die Wirrnisse des 30jährigen Krieges. Obwohl Zettitz wohl nicht an einer Heerstraße lag, hieß es im damaligen Kirchenbuch, daß viele Einwohner geflohen seien und deshalb im Klingelsack nur wenig Geld einkomme. Zettitz und Skyren wurden zeitweilig getrennt von den Brüdern bewirtschaftet, zeitweilig besaß aber auch einer von Grünberg beide Güter. Mit Hans Christoph erlosch 1682 die Linie der von Grünberg im männlichen Stamm.
 Schloss
Gutsschloß in Skyren
Die Witwe Sabina Sophie verwaltete beide Güter noch bis 1693. Zwei Jahrhunderte hatten die Grünbergs nun hier gesessen. Dann verkaufte sie die Güter an Heinrich von Gloger, der mit Euphrosine von Lohnstein verheiratet war. Heinrich starb bereits 1708, seine Frau 1737. Nunmehr übernahm der ältere Sohn Ferdinand Skyren, der jüngere Maximilian Zettitz. Die Patronatsrechte übten beide gleichberechtigt. 1776 ging die Zeit der von Gloger zu Ende, und das Gut Skyren ging 1776 an den Reichsgrafen von Finckenstein über, dem als Besitzer ein Oberbürgermeister Lehmann folgte.
Im 19. Jahrhundert wurden beide Güter in der Hand eines Herrn Rothe wieder vereinigt, von dessen ausschweifendem Leben man sich im Dorfe viel erzählte. Im Jahre 1842 übernahm Zettítz ein Herr Wurrwitz und Skyren ein Herr Hartung. Letzterer starb l865, worauf das Gut Skyren die Familie von Schierstaedt aus Trebichow erwarb.
Seit 1893 war Joachim von Schierstaedt Besitzer des Gutes in Skyren. Er vergrößerte das dortige Gutshaus bedeutend, denn es sollte zahlreiche Bewohner in sich aufnehmen.Im Jahre 1894 nahm der General v. Müller, der Schwager des Besitzers, dort seinen Wohnsitz. Zu ihm zog im darauffolgenden Jahr der zweite Kanzler des Deutschen Kaiserreiches - Graf von Caprivi - , um im Kreise dieser seiner nächsten Angehörigen die wohlverdiente Ruhe zu genießen.

Georg Leo Graf von Caprivi. Geb.24.2.1831 in Berlin, gestorben 6.2.1899 in Skyren 1890-1894 Reichskanzler “unbequemer Kanzler” und preußischer Ministerpräsident Graf von Caprivi war ein Verwandter der Familie von Schierstaedt und lebte ab 1895 im Schloß von Skyren im Ruhestand. Über die Trauerfeier, zu der Minister, Fürsten und andere Persönlichkeiten vom Bahnhof Baudach her mit Pferdekutschen anfuhren, wurde damals in allen deutschen Zeitungen berichtet.
Reichskanzler 1890-94 Leo von Caprivi

Graf von Caprivi wurde auf dem “alten Friedhof” beerdigt. Nach der Vertreibung aller Dorfbewohner im Juni 1945 wurden polnische Familien neu angesiedelt. Das wurde den Friedhöfen zum Verhängnis.Alle Grabstätten wurden nach 1945 zerstört, das Gelände verwüstet. Die Vegetation hat das gesamte Friedhofsareal überwuchert. Unser Heimatfreund Dr. Hilmar Körner versuchte im Jahre 2010, das Caprivi Grab zu lokalisieren. Sein Wunsch - auch unser aller Wunsch - ist, das Areal wieder würdig herzurichten und das Grab des Reichskanzlers in seiner ursprünglichen Form nachzugestalten.

Zur Erinnerung einige Daten seiner Amtszeit:
 ♦  1890 deutsch- britische Annäherung (Tauschvertrag Helgoland-Sansibar).
Ein Bestandteil dieses Vertrages ist auch ein schmaler Landstreifen in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, der den Zugang zum Sambesi ermöglichte (noch heute “Caprivizipfel” genannt.
 ♦  1890 Arbeiterschutz Gesetzgebung (u. a. Verbot der Kinderarbeit, Verbot der Sonntagsarbeit.
Begrenzung der Arbeitszeit von Jugendlichen unter 16 Jahren auf zehn, von Frauen auf 11 Stunden täglich)
 ♦  1891 die Mehrbeschäftigung von Arbeitskräften aufgrund der neuen Handelsverträge mit etlichen Ländern bewirkte einen schlagartigen Rückgang der Auswanderung aus Not ( nach Amerika u.a.) von 30 % auf 25 % des bisherigen Umfangs.



Infrastruktur des Ortes
Das Gut war der größte Arbeitgeber des Dorfes. Hauptarbeitsgebiete auf dem Gut waren Ackerbau (Kartoffeln, Getreide), Teichwirtschaft (Karpfen, Schleie, u.a.), Viehzucht (Schweine, Rinder) und die Forstwirtschaft.
Zum Gut gehörten noch
   •   eine Gärtnerei
   •   eine Stellmacherei
   •   eine Spiritusbrennerei.

Überdies gab es noch das Gutsvorwerk Annewalde (5 km entfernt)
Während der Arbeitsspitzen im Sommer reichten die Gutsarbeiter und Helfer aus der Bevölkerung nicht aus. So holte man sich Arbeiter aus dem benachbarten Polen. Sie kamen zur Heuernte und blieben bis nach der Kartoffelernte. Untergebracht wurden sie in Annenwalde. Deshalb war Annewalde nicht ständig bewohnt.

Gasthof Melzer 1930
Gasthof Melzer 1930
Außerdem gab es im Dorf noch

 •   2 Sägewerke
 •   1 Schmiede
 •   2 Fleischereien
 •   1 Kolonialwarenladen
 •   1 Bäckerei mit Lebensmittel
 •   1 Gastwirtschaft

Gasthof Melzer 1979
Gasthof Melzer 1979

Die meisten Handwerker aus Skyren hatten im Nachbarort oder in Crossen ihre Arbeitsstelle. Um schnell dorthin zu gelangen, fuhren sie mit dem Fahrrad. Einige Berufstätige waren sogar als Handwerker außerhalb (bis Berlin) tätig.

Die zuständige evangelische Kirche für Skyrener Einwohner befand sich im Nachbardorf Zettitz (3,5 km).
Im Mittelalter soll in Skyren eine Kapelle existiert haben, denn in einem Rechnungsbuch wurde erwähnt, daß in Skyren eine Kapelle gestanden hat. Leider ist die Kapelle zu Skyren während des 30-jährigen Krieges ganz eingefallen und es wird nicht mehr allda gepredigt. Die Kapelle ist nicht wieder erbaut worden. Heute wissen wir auch nicht, wo dieselbe gestanden haben soll.

Von den frühesten Anfängen an gab es in Skyren einen Friedhof. Durch die Vergrößerung der Einwohnerzahl von Skyren reichte der kleine Bergfriedhof für die Verstorbenen nicht mehr aus. So wurde am Ausgang des Dorfes, nach Radenickel zu, ein großer Friedhof angelegt, der am 20. November 1908 eröffnet wurde. Hier wurden alle aus dem Dorf bestattet. Doch die, die auf dem Gut arbeiteten, wurden weiter auf dem Gutsfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.
Von dem alten Bergfriedhof trennte man ein Stück ab und darauf befand sich dann das Erbbegräbnis derer von Schierstaedt. Es war eine nicht sehr große Fläche und hatte unter einer Eiche einen Ruheplatz mit Bank. Ein großes weißes Marmorkreuz stand am Rande und leuchtete. Bereits 1899 wurde der erste auf dem Erbbegräbnis bestattet, es war der Graf von Caprivi.

Von den Anfängen einer Schule in Skyren ist wenig bekannt. Der preußische Soldatenkönig gab am 28. Oktober 1717 die Allgemeine Schulpflicht bekannt.
Der König wünschte, daß alle seine Untertanen lesen und schreiben lernten.
Sie sollten ihren Namen schreiben und Verordnungen selber lesen können.


Danach sollte auch in Preußen jedes Kind von fünf bis zwölf Jahren zur Schule gehen. Unterrichtet wurde von den damaligen “Lehrern” vor allem Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen.
Auch wenn man in Betracht zieht, dass viele Eltern aus Not oder Desinteresse ihre Kinder selten zur Schule schickten, dass der Unterricht aus Raumnot im Wohnzimmer oder in der Werkstatt des Schulmeisters stattfand, und dass es vielerorts weder Schulen noch Lehrer gibt, setzte die Schulreform des Königs einen Anfang.

In Skyren wurde in den 1890er Jahren mit dem Bau einer neuen Schule begonnen. Bald war eine zweiklassige Schule fertig. Eine Wohnung für den Hauptlehrer war ebenfalls mit eingebaut. Scheune und Stallungen entstanden daneben, denn der Lehrer hatte ja auch Ackerland. Ebenfalls die "kleinen Örtchen" für die Schüler waren gebaut worden.



2   S k y r e n - Dorfplan mit Häuserverzeichnis

Nebenstehender Dorfplan entstand durch Hochzeichnen der Vergrößerung des Meßtischblattes Nr 3856 (erste Herausgabe 1896, Maßstab 1:25.000), bezüglich des Gebäudestandes.Die Hinweise entstammen dem Erinnerungsvermögen (nach 48 Jahren) und sollen die örtlichen Verhältnisse von 1945 darstellen.

Die angegebenen Nummern an Gebäuden sind willkürlich vergeben, da die amtlichen Hausnummern nur durch aufwendige Nachforschungen ermittelt werden können.

Die nun unten folgende Tafel zeigt die Häuser in der Reihenfolge aufsteigender Nummern.
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1 Müller, Reinhold Landarbeiter
2 Lehmann, Gustav
3 Weber, Gustav
    Nicksch, Karl
4 Hahn, Gustav
    Graß, Gustav
Fischer
 
5 Fuchs, Paul Postbeamter
6 Klaus, Karl
    Jährling, ....
Zimmermann
Lehrer
7 Rosin, Paul
    Tillack, Wilhelm
Landarbeiter
 
8 Darnfeld, Karl
9 Heinze, Paul
10 Schüttke, Ida
11 Reschke, Reinhold Landwirt
12 Jokisch, Karl Landarbeiter
13 Kulke, Berta
14 Jokisch, Paul
15 Kirst, Karl
16 Hahn, Paul Zimmermann
17 Brückner, Hermann
18 Penack, .....
19 Kulisch, Paul Brennereiarbeiter
20 Ruge, Hermann Maurer
21 Beil, Max
22 Schönfelder, Erich
23 Bretag, ...
24 Kipsch, Hermann Landwirt
25 Kutschan, Emilie
26 Gerasch, Paul Maurer
27 Fröhlich, Wilhelm Zimmermann
28 Kuchling, Kurt Sägewerk
29 Reschke, Robert
30 Weber, Paul
31 Kulisch, Wilhelm
    Bies, Paul
32 Landvoigt, Oskar
33 Jokisch, Robert
    Zeimat, Gustav
34 Richter, Reinholdt
    Knispel, Ferdinand
Landwirt
Zimmermann
35 Klaus, Anna
Hahn, Marie
Deichsler, Paul
Gemeindehaus

36 Lehmann, Adolf
Lehmann, Otto
Schuhmacher
Zimmermann
37 Graß, Wilhelmine
38 Kohtze, Oswald Maurer
39 Krammann, Ferdinand Zimmermann
40 Duppel, Fritz
    Duppel, Otto
 
Landarbeiter
41 Schulz, Fritz
    Schulz, Artur
Landarbeiter
 
42 Schulz, Paul Landwirt
43 Reschke, Pauline
    
44 Graß, Wilhelm
45 Jokisch,Hermann
Burdach, Ernst
Maurer
 
46 Duppel, Karl
47 Reschke, Ferdinand
Reschke, Reinhold
Landwirt
Landwirt
48 Lehmann, Wilhelm
    Schlenz, Wilhelm
Landwirt
 
49 Jokisch, Gertrud
50 Kuchling, Reinhold
    Kuchling, Karl
Sägewerk
 
51 Kuchling, Anna Kolonialwaren
52 Rex, Gustav Landwirt
53 Sandke, Paul Dachdecker
54 Jokisch, Karl
    Lehmann, Richard
Landwirt
Zimmermann
55 Kuchling, Robert
    Borchert, Richard
    Zeese, Otto
Zimmermann
Maurer
 
56   Schmiede
57 Bellac, Paul Schmied
58 Nicksch, Paul
    Schwoche, Otto
Landarbeiter
 
59 Reschke, Karl Landwirt
60 Schulze, Paul Bäckerei
61 Purpst, Emil
Minke, Wilhelm
62 Natusch, Paul Landwirt
63 Jokisch, Karl
    Kuchling, Gustav
Fleischerei
64 Biens, Reinhold Landwirt
65 Ruge, Wilhelm Landwirt
66 Melzer, Willy Gastwirt Post
67 Lehrer Schulz Schule
68 Faustmann, Paul
69 Melzer, Georg
    Lehmann, Otto
Fleischerei
Zimmermann
70 Kammann, Wilhelm Landwirt
71 Hahn, Alfred Landwirt
72 Tranformatorhaus
73 Regin, Karl
74 Kulke, Karl
75 Roil, Gustav
76 Kuchling, Ernst
Kuchling, Paul
Sägewerk
 
77 Graß, Wilhelm Gutsschäferei
78 Schumann, Otto Gutsghärtnerei
79 Nicksch, Adolf
    Kuchling, Luise
Zimmermann
 
80 Jokisch, Reinhold
Pohland, Richard
Landarbeiter
Elektriker
81 Stein, Hermann
82 Manske, Karl
Bies, Paul
Rex, Wilhelm
Nicksch, Adolf
Schweizer
 
Landarbeiter
Gutsvogt
83 Graß, Wilhelm
84 Reschke, Paul

Das Rittergut Skyren gehörte der Familie von Schierstaedt. Die Gutsgebäude wurden in der obigen Tafel nicht aufgeführt.



Das Jahr 1945
Am 2. Februar 1945 besetzen sowjetische Truppen kampflos Skyren und zündeten in der Nacht 3./4. Februar das Schloss und einige andere Gebäude an.Der zweite Weltkrieg forderte von den Teichwaldern außer dem Verlust der Heimat mindestens 20 Gefallene und Vermisste und mindestens 20 zivile Todesopfer.
Etwa fünf Personen, darunter zehn 16 bis 18-jährige Mädchen und ein 14-jähriger Junge wurden in die Sowjetunion verschleppt. Bis auf Zwei, die dort starben, kehrten die anderen nach einigen Jahren nach Deutschland zurück.

Am 22. Juni 1945 fand die Vertreibung aller noch anwesenden Einwohner (einige wenige Familien waren bereits vor dem Einmarsch der Russen westwärts geflüchtet) durch inzwischen eingetroffene polnische Miliz statt. Von der angeordneten Sammelstelle auf dem Dorfplatz bewegte sich der Treck, nach vorangegangenen Plünderungen, zu Fuß bzw. mit Handwagen und Schubkarre, in Richtung Frankfurt/Oder.

  Änd 01.01.2017
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