Pfeifferhahn

(Strumienno)
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Aktuelles Kreis Crossen/Oder
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Pfeifferhahn Pfeifferhahn liegt 6½ km östlich von Crossen.

Von Crossen fährt man zunächst 1½ km in Richtung Guben - kurz vor der Crossener Bahnschranke biegt man rechts ab.
Von dort sind es nur noch 5 km bis Pfeifferhahn
(man durchquert noch Altrehfeld).
Pfeifferhahn
Pfeifferhahn zugeordnet waren in den 1940er Jahren die Ortsteile Sorge (ehemaliges Kgl. Domänen-Vorwerk) und die Kaltwassermühle.
Pfeifferhahn hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 1939     325 Einwohner   und gehörte zum Amtsbezirk Sorge.


Das Dorf Pfeifferhahn, dem diese Seite gewidmet ist, liegt am südlichen Rand des Oder-Urstromtals etwa 2 km westlich der Bobermündung. Der in den 1930er Jahren neu angelegte Boberdeich und der verstärkte Oderdamm, an dem sie seit uralten Zeiten Hand- und Spanndienste hatten leisten müssen, schützten nun besser als zuvor ihre fruchtbarsten Äcker.

Wenn Pfeifferhahn auch klein war, so zählte es dochzu den schönsten Dörfern des ganzen Kreises. Lindenbäume säumten zu beiden Seiten die Dorfstraße. Vor den schmucken Häusern war meist eine Treppe, oder es stand eine Bank davor, auf der sich im Sommer nach getaner Arbeit alt und jung niederließen. Da war der alte Schlumpgraben mit seiner Brücke, auf deren Geländer das junge Volk bis in die Nacht hinein saß.
Von Neurehfeld kommend, fließt der Heidegraben an Pfeifferhahn vorbei, um später vom Strieming aufgenommem zu werden.
Der andere Hauptquellbach des Strieming kommt vom Kempfensee und aus der Braschener Gemarkung. Er schlängelt sich am Ostrand Merzwieses vorbei zur Kaltwassermühle, um dann nördliche und vom Fuchswinkelsee aus westliche Fließrichtung anzunehmen.


  • zur Geschichte des Ortes

Über Pfeifferhahn gibt es wenig geschriebene Geschichte. Es handelte sich ja um eine Ortschaft, die in den ältesten Zeiten den Piastenherzögen, ab 1482 dann zum kurfürstlich-königlichen Amt Crossen gehörte.
Solche Amtsdörfer blieben frei von einem Gutsherren und damit von adligen Familien, die hätten ein Schloß erbauen und Urkunden hinterlassen können. Der Amtmann des Landesherren bediente sich bei der Verwaltung des Dorfes lediglich eines Lehnschulzen.
Pfeifferhahn lag zudem wie Neu-Rehfeld so nahe an Crossen, daß es keine Kirche bekam. Die Einwohner gehörten zur städtischen Sankt Mariengemeinde. Sicherlich gingen sie lange Zeit über die Wiesen des Amtsvorwerks Klette und den Bobersteg zu Fuß zum Gottesdienst und zurück. Weiter verband sie die Alt-Rehfelder Brücke mit der Kreisstadt und deren Bahnhof.

In der Klassifikation 1718/19 wird Pfeifferhahn wie folgt erwähnt:
Pfeifferhahn war ein reines Bauerndorf und gehörte zum Domänenamt Crossen.
Im Ort gab es die 14 Bauern mit je 1 Hufe Land,
und 4 Gärtner (Kleinlandwirte).
Alle Bauern und Gärtner wurden namentlich aufgeführt (siehe nebenstehenden Auszug).
Neben dem Lehnschulzen Adam Noack gab es also 14 Bauern mit jeweils einer Hufe Land.
Eine Hufe bewirtschaftete die Kaltwassermühle.

Es gab einige versandete Feldstücke, die nicht bestellt werden konnten, weil sie die anderen Felder auch versandet hätten. Weide und Viehzucht waren mittelmäßig. Auf einer Bauernhufe konnten vier Pferde, zwei Ochsen, fünf Rinder, vier Schweine und drei Gänse gehalten werden.
Holz wurde zum teil aus dem versandeten eigenem Land und teils für einen Scheffel Hafer von der Königlichen Heide bezogen. Die Dienste an den Oderdeichen wurden früher bezahlt, doch dann nicht mehr.
Im Dorf gab es noch einen Hausmann, einen Schweinehirten, einen Schulmeister ohne Land und zehn alte Leute auf Ausgedinge.
Der Lehnschulze war zugleich Krüger und verschenkte 7.500 Liter Krossener Bier im Jahr.
Angebaut wurden auch hier Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen, Hirse, Leinen, Hanf und Wicken. Jeder Bauer erntete bis sechs Fuder Heu.
Interessant ist hier die Angabe, daß der einzelne Bauer damals auf seiner Hufe im Durchschnitt vier Pferde, zwei Ochsen, fünf Rinder und vier Schweine hielt. Er war damit hinsichtlich der Pferdezahl im Verhältnis zu den Bauern in vielen anderen märkischen Dörfern "reich". Wahrscheinlich benötigte er die Zugtiere, um den feuchten Boden hinterm Oder- und Boberdamm zu beackern
Im Berghaus “Landbuch der Mark Brandenburg” aus dem Jahr 1854 wird Pfeifferhahn nicht erwähnt. Es gehörte nicht zu den Gutsdörfern!
Allerdings wird dort recht ausführlich von der Oderflut vom August 1854 berichtet, die auch Pfeifferhahn verwüstete. (siehe weiter unter Münchsdorf und Sorge).

Im Bratring 1806 wird Pfeifferhahn wie folgt erwähnt:
Pfeifferhahn 1806


Pfeifferhahn war im Jahre 1806 ein Dorf mit einer Wassermühle.
Es hatte ein Lehnmann, 13 Bauern, 4 Kossäten (Gärtner), 4 Büdner oder Deichknechte, 2 Einlieger,1 Dammeister.

Pfeifferhahn hatte 1806:  25 Feuerstellen   170 Einwohner.

In der “Topografischen Übersicht des Reg.Bez. Frankfurt/Oder” aus dem Jahre 1844 erscheint:
 ♦  Pfeifferhahn war Dorf - zum Rentenamt Crossen gehörig.
 ♦  es hatte 32 Wohngebäude und 223 Einwohner.
 ♦  die Kaltwassermühle bestand aus 2 Häusern mit 13 Einwohnern.

Für das Jahr 1852 werden genannt: Pfeifferhahn hat 233 Einwohner = Dorf zum Rentenamt Crossen gehörig,
und die Kaltwassermühle mit 16 Einwohnern.

  • Pfeifferhahn - der Wunderbrunnen

Riehl-Scheu schreibt in "Berlin und die Mark Brandenburg …" aus den Jahr 1861:
" 1677 brannte der Ort Pfeifferhahn nieder.
In der Nähe von Pfeifferhahn gibt es eisenhaltige Quellen, die 1660 entdeckt, ihrer Heilkraft wegen sehr in Ruf kamen,
besonders 1710 und in den folgenden Jahren¸ jetzt sind sie ganz in Vergessenheit geraten".

Unser Heimatforscher Paul Kupke beschrieb im "Crossener Kreiskalender für das Jahr 1941" die Wunderquellen bei Pfeifferhahn. Er hinterließ nach ausführlicher Recherche folgendes der Nachwelt.
Gasthof
Pfeifferhahn - Schönster Ausflugsort
Die Ursache war ein erkrankter Schimmel, der vom Pächter des königlichen Vorwerks Sorge bei Pfeifferhahn ins Freie gejagt wurde. Er sollte sterben, wo und wann er wollte. Doch nach einer Woche ist der Schimmel wieder zurückgekehrt. Das Tier strebte zum Stalle hin und beruhigte sich erst wieder, als es an seinem gewohnten Platz stand und Futter bekam - es war vollkommen gesund. Wie war solche Umwandlung möglich? Einige Knechte berichteten, sie hätten das kranke Tier auf einer Wiese beobachtet, wie es dort sich in einem Quell wälzte, auch aus ihm soff. Der Quell muß also geholfen haben, nichts anderes.
Der Pächter des Vorwerks, Lichnowski, lachte zuerst über die Kunde von dem neu entdeckten Wunderbrunnen. Je mehr er aber den geheilten Schimmel beobachtete, desto mehr schien ihm die Mär von den Heilkräften des Quells glaubhaft. Er selbst litt schwer unter Magenverstimmung und suchte seine Verdauungswerkzeuge durch allerlei Getränke, die man wegen ihrer scharfen Wirkung Kratzbürste nannte, wieder in Ordnung zu bringen.
Er wollte auch einmal versuchen, seine Beschwerden mit dem Wasser des Brunnens zu lindern. Mut gehörte wirklich dazu, denn das Wasser des Brunnens war alles andere als frisch und klar. Es schillerte in den sonderbarsten Farben, es sah bald aus wie Tinte, bald wie Milch. Lichnowski überwand endlich seinen Widerwillen, benutzte die Flüssigkeit zu einer Trinkkur und fühlte eine Erleichterung seiner Leiden.
Weit und breit ertönte die Kunde von dem Schimmel und seinem Herrn, von der wunderbaren Wirkung des Wiesenquells. Zuerst erschienen einige Neugierige, dann immer mehr.
Kranke versuchten ihr Heil. Es dauerte nicht lange, so meldete das geschwinde Gerücht eine Heilung nach der anderen.

Geschickte Hände versahen den Quell mit einer hölzernen Umrandung, die das Wasser sammelte und durch bleierne Ausflußröhrchen wieder entließ. Rings um den Hauptquell entdeckte man im sumpfigen Wiesengelände weitere Nebenquellen, neun an der Zahl. Ihr Wasser leitete man zu dem Hauptbrunnen. der nun noch leistungsfähiger war.
Gasthof
Pfeifferhahn - Saal des Ausflugsrestaurant
Bis dahin folgte man dem Verhalten des Schimmels nur unvollständig: man trank das Wasser nur. denn das Baden in dem eiskalten Quellwasser hatte seine Bedenken. Da kam jemand auf den Einfall, das Wasser zu erwärmen. Nun entstand erst das rechte Badeleben. Rings um den Brunnen wurden Hütten gebaut. Sobald der Tag graute, stürzte alles zum Brunnen, um sich Wasser zu holen, das dann in den Hütten erwärmt und als Trink- und Badeflüssigkeit benutzt wurde.
Der Ruhm des Brunnens verbreitete sich weithin, nicht nur über die Dörfer und Städte der Umgegend, sondern auch bis Schlesien, Mitteldeutschland und Berlin.
Das Leben auf der feuchten Wiese, die Übertreibungen im Trinken und Baden, aber auch die Unsinnigkeit im Essen, führten teilweise zu schlimmen Folgen. Todesfälle kamen vor. Immer stärker machten sich die Zweifel an der Wunderwirkung des Quells geltend. Nur wenige verloren den Glauben an die Kraft des Wassers nicht und hielten aus. Aber nach 1714 hörte der Badebetrieb auf. Nach kaum zwei Jahren versank die ganze Sache in Vergessenheit.
Soweit die Geschichte des Wunderbrunnens, wie sie unser Ortschronist Paul Kupke einst niederschrieb.

Der Ruf des Brunnens drang bis Berlin. Um dem Könige über den Brunnen berichten zu können, forderte der Verweser des Herzogtums Crossen zwei Gutachten von Ärzten über den Brunnen an. In den langen Untersuchungsbeschreibungen wurde festgestellt, daß das Brunnenwasser viel Eisen und etwas Schwefel enthalte. War das alles?
Nein, es war noch etwas mehr an dem Brunnen, als die Untersuchungen feststellen konnten. In einem weiteren Bericht hieß es, daß Einwohner von Pfeifferhahn und Merzwiese erzählt hätten, daß schon ihre Vorfahren den sogenannten Purgier- und Schweißbrunnen kannten, dessen Wasser gegen Gliederreißen benutzt worden sei. Es handelt sich also im Grunde um eine der alten Heilquellen, die es einst in großer Zahl überall gab.



  • Pfeifferhahn - Häuserverzeichnis

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Als im Zeitalter der Industrialisierung der Lastkahn- und Schleppzugverkehr auf der Oder einsetzte, entwickelte sich Pfeifferhahn auch zum Schifferdorf. Auch ein Dammeister und Arbeiter der Wasserbauverwaltung wohnten im Dorf, in dem der Gasthof Klein gern aufgesucht wurde und es natürlich auch eine Schule gab (1926: Lehrer Bruno Scripinsky).

Laut "Einwohnerbuch des Kreises Crossen/Oder - Ausgabe 1926" war in Pfeifferhahn 66 die höchste Hausnummer. d.h. es existierten in deutscher Zeit mindestens  66 Häuser.Viele Häuser trugen auch ein angehängtes a oder b.

Die darin enthaltenen Angaben werden im folgenden nur kurzgefaßt wiedergegeben.
Es war ein echtes “Bauern- und Schifferdorf”.

Das Einwohnerbuch liefert:
   •  12 Einträge als Landwirt,
   •  11 Einträge als Schiffer,

Pfeifferhahn hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrh. eine gute Infrastruktur.
Die Hauptberufe der Bewohner waren neben der Landwirtschaft und der Schiffahrt die Handwerker.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit wurden im Einwohnerbuch von 1926 genannt:

1 Kolonialwaren   1 Gasthof   1 Fleischer  
10 Maurer   2 Zimmerleute   1 Tischler  
2 Schneiderinnen   1 Schlosser   1 Schuhmacher  

Besonders schwer wurde Pfeifferhahn 1945 durch Kriegsschäden heimgesucht.
14 Wohnhäuser sind abgebrannt - auch viele Ställe und Scheunen.

Gasthof
Pfeifferhahn - Gasthof Klein
Dorfstraße
Pfeifferhahn - Dorfstraße mit Linden
Zum Abschluß noch ein paar Zeilen aus einem Gedicht von Ella Fey († 2010):

Ich geh in Gedanken die Dorfstraße entlang,
dort wohnt kein Mensch mehr, den ich gekannt.
Als Fremder geht man durch seinen Heimatort,
ein jeder fragt sich, warum mussten gerade wir von hier fort.
Der Weg zum Friedhof auf den Leidenberg ist recht schwer;
für unsere lieben Verstorbenen steht dort kein Denkmal mehr.
Das alles war unsere Heimat, das alles war einmal.
Mein liebes Dörfchen Pfeifferhahn, im grünen Odertal.

  Änd 02.12.2017
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