Lochwitz

( Łochowice )
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Lochwitz
Lochwitz

Lochwitz liegt ca. 6 km nordöstlich von Crossen.

Lochwitz hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 1939     525 Einwohner   und gehörte zum Amtsbezirk Lochwitz.




  • zur Geschichte des Ortes

Die Geschichte von Lochwitz liegt im Dunkeln. Es gibt keinerlei schriftlichen Quellen darüber. Die Ausstattung der Gemarkung mit 16 Hufen weist auf die deutsche Kolonisation im 13. Jahrhundert hin.
1521 lieh Joachim I. der Gattin des Verwesers zu Crossen, Kaspar von Maltitz, das Dorf als Leibgedinge.
Möller berichtet, Markgraf Hans von Küstrin habe 1551 in Lochwitz eine neue Mühle gebaut.
Lochwitz wurde aufgrund von Niederlagen und Zerstörungen infolge des Dreißigjährigen Krieges entvölkert, und die Hälfte der Grundstücke wurde nicht bewirtschaftet. Die Lücken schlossen sich aber fast vollständig im Verlauf des 18. Jahrhundert.

In der Klassifikation 1718/19 wird Lochwitz wie folgt erwähnt:
Das Königliche Amt in Krossen war der Besitzer von Lochwitz.
Die Felder wurden bestellt vom Schulzen Bernhardi mit zwei Hufen und dem Schulzen Hans Schmidt mit drei halbe Hufen, sowie den 14 Bauern (mit je einer Hufe).
Ferner gab es im Ort 12 Gärtner (Kleinlandwirte), aber nur 1 Büdner.
Die Amtsmühle bewirtschaftete eine Hufe. Alle Bauern und Gärtner wurden namentlich aufgeführt (siehe nebenstehenden Auszug).

Der Küster hatte eine Wiese für ein Fuder Heu. Der Acker war in drei Felder geteilt, lag zum Teil in der Niederung und war rein, der höher gelegene Acker dagegen sandig. Weide und Viehzucht waren schlecht.
Auf einer Bauernhufe konnten zwei Pferde, zwei Ochsen, drei Rinder, 6 Schafe, 3 Schweine und 3 Zuchtgänse gehalten werden.
Holz konnte eine Meile vom Ort gekauft werden, Es gab einige Bienenstöcke. Etwas Nebenverdienst brachte das Pflügen für die Stadt und das Tonfahren für die Töpfer.
Weiter gab es im Dorf 6 Hausweiber (Hausgehilfinnen) und 2 alte Leute im Ausgedinge, Der Krüger verschenkte im Jahr 9500 Liter Krossener Bier.
Angebaut wurden Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen, Wicken, Hirse, Leinen und Hanf.
Lochwitz 1806


Im Bratring 1806 wird Lochwitz wie folgt erwähnt: Lochwitz war im Jahre 1806 ein Dorf - zum Domänenamt Crossen gehörig.
Es hatte 1 Lehnschulzen, 13 Bauern, 3 Halbbauern,9 Kossäten (Gärtner), 5 Büdner, 7 Einlieger und eine Schmiede und eine Wassermühle.

Lochwitz hatte 1806:  38 Feuerstellen   265 Einwohner.
Weiterhin gab es im Dorf ein Vorwerk mit 341 Morgen Fläche.

In der “Topografischen Übersicht des Reg.Bez. Frankfurt/Oder” aus dem Jahre 1844 erscheint:
 ♦  Lochwitz war ein Dorf mit einem Vorwerk, 2 Windmühlen und 1 Fabrik.
 ♦  es hatte 82 Wohngebäude und 541 Einwohner und war nach der Andreaskirche in Crossen eingepfarrt.
 ♦  es gab 1 Rittergut, das in Besitz von Carl Ludwig Schlick war.
 ♦  Nach 1806 ging das Domänenvorwerk von Lochwitz in den Besitz der Familie Fournier über.

Für das Jahr 1852 werden genannt: Lochwitz hat 554 Einwohner = war ein Dorf mit Rittergut.

Ausschnitt aus der Kreiskarte
      Ausschnitt aus der Kreiskarte
Im Riehl und Scheu "Berlin und die Mark Brandenburg …" von 1861 wird etwas ausführlicher über den Ort berichtet:
Der Name Lochwitz leitet sich vom Wendischen Lowic ab, d.i. eine zum Jagen und Fischen geeignete Gegend.
1261 wurde es Lochuz geschrieben, und als Luchowitz um 1300.
Lochwitz war ein Filial zu Berg vor Crossen;
es hatte um das Jahr 1860: 66 Häuser und 465 Einwohner.
In den Lochwitzer Küchengärten waren 11 Häuser mit 70 Einwohnern.

1871 ließ der Unternehmer Sello gut 1,5 km nördlich von Lochwitz an der Biele eine Tuchfabrik bauen.
1877 verkaufte Sello die Lochwitzer Anlagen an einen Salomon, der sie bereits 1890 an den Zettitzer Gutsbesitzer von Wedel weiter verkaufte.
Der Komplex bestand aus 3 Gebäuden. Zwei davon waren Massivbauten mit einem Ziegeldach; sie bildeten die Fabrik. Ferner gehörte ein vier oder dreieinhalbgeschossiges Wohnhaus mit Pappdach dazu. Eine Produktion fand nach 1890 nicht mehr statt.
Das Gut Zettitz nutzte lediglich die Kraft der Biele zur Stromerzeugung und die Wehranlage zum Aufstauen der Biele und zur Regulierung des Wasserstandes in den angrenzenden Karpfenteichen.
Es war ein etwas mißlungener Gehversuch einer Industrialisierung in der Crossener Region zur Gründerzeit.

  • Die Kirche

Strand1
   Lochwitz - Kirche
Strand2
   Lochwitz - Schule und Kirche
Die Lochwitzer Kirche wurde in den 1830er Jahren im klassizistischen Stil erbaut. Zuvor war der Ort in der Crossener Andreaskirche eingepfarrt.
Die Kirche ist ein Backsteingebäude, das auf einem rechteckigen Grundriß mit einem quadratischen Turm auf der Westseite errichtet wurde.
Je eine Tür mit Vorhalle und vier rundbogig geschlossene Fenster sind auf der Süd- und Nordseite durchgebrochen; ein Dritter Zugang vermittelt vom Westen her über den Turmunterbau hinweg den Verkehr mit dem flachgedeckten, hell gestrichenen Kircheninnern, dessen Fußboden mit Ziegel belegt ist.
Große halbkreisförmig geschlossene Fenster wurden in den Höhen platziert. Auf der östlichen Seite sind Nischen, die Löcher in ähnlicher Form nachahmen. Der Haupteingang, der eine rechteckige Form hat, befindet sich im Untergeschoss des Turms. Darüber ist ein halbkreisförmiges geschlossenes Fenster.
In der Kirche waren zwei Glocken eingehängt. Die südliche Glocke hatte 65 cm Durchmesser, die nördliche Glocke hatte 85 cm Durchmesser. Sie war eine Filialkirche von der Crossener Andreaskirche.

  • Baden am Tiefensee

Strand1
Strand2
Von jeher badeten die Crossener in einem Freibad am Bober - nahe bei der Bobermündung gelegen.
Im Jahre 1905 wurde ihnen durch die notwendig gewordene Verlegung der Bobermündung das einmalig schöne und reizvolle Freibad im kristallklaren Wasser des Bober genommen oder zumindest sehr erschwert.
In der Oder, wie es später einige Jahre geschah, oder gar im Stauwasser des Stadtgrabens sein sommerliches Bad nehmen zu müssen, erschien den Crossener Wasserratten mit Recht als ein nicht mehr zumutbarer Abstieg. Sie waren bisher das kristallklare Wasser des Bober gewohnt.

Panorama2
Wer nur irgendwie die Möglichkeit hatte, sich schneller fortbewegen zu können - es brauchte nicht unbedingt ein Kraftfahrzeug zu sein, ein Fahrrad tat es auch, der fuhr an heißen Tagen und Wochenenden hinaus nach dem nahen Tiefensee oder dem ebenfalls nicht allzu weiten Gersdorfer See.
An diesem Tiefensee (auch Lochwitzer See genannt), mit seinem dunkelgrün schimmerndem Wasser, das stellenweise eine Tiefe von 30 Meter hatte, herrschte ein wundervoller Friede.


  • Das Boxhammer-Haus am Tiefensee

Man muß sich eigentlich heute noch darüber wundern, daß bei der Nähe Berlins kaum oder nur ganz selten erholungssuchende Großstädter sich an den Ufern unserer schönen stillen Waldseen angesiedelt hatten.
Eine Ausnahme machte bald nach dem ersten Weltkriege am Tiefensee, und zwar an dessen Südspitze, der konservative Landtagsabgeordnete unseres Kreises, Prinz Löwenstein, mit einem harmonisch in die Landschaft sich einfügenden Fachwerkbau. Dieses Gebäude wurde allmählich erweitert und in dessen Vorgelände wurde ein ebenso üppiger Blumengarten angelegt.
Dieses Domizil mit einem Stück Lochwitzer Kiefernwald erwarb später der Berliner Bankier von Bleichröder.

Panorama1
Mitte 1927 verkaufte der Finanzwirtschaftler das Anwesen an den Verband Brandenburgischer Ballspielvereine. Der machte ein Jugenderholungsheim daraus und nannte es Fritz-Boxhammer-Haus. Das erinnerte mit der Namensgebung an den damals gerade verstorbenen Vorsitzenden des Verbandes, der sich um den Berliner Fußballsport verdient gemacht hatte.

Fritz "Ette" Boxhammer (1873 - 1926) war ein deutscher Fußballspieler und Verbandsfunktionär.
Boxhammer kam von der Leichtathletik zum damals in Deutschland noch wenig verbreiteten Fußball. Er gründete den Berliner SV 1892 und war 1894 Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Sportbundes. Als Fußballspieler war er später auch für mehrere Berliner Vereine aktiv.
Ab 1898 war er Vorsitzender des im Jahr zuvor gegründeten Verbandes Deutscher Ballspielvereine (VDB) und vertrat in dieser Funktion im Januar 1900 mehrere Berliner Fußballvereine auf der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds.
Als auf dem IX. DFB-Bundestag 1905 ein neuer Vorstand bestimmt wurde, wurden Gottfried Hinze zum 1. und Fritz Boxhammer zum 2. Vorsitzenden gewählt. In dieser Funktion, die er bis 1911 ausübte, hatte Boxhammer maßgeblichen Anteil am Aufbau eines geregelten Punktspielbetriebs in Deutschland.

Der Ballspielverband war damals keineswegs eine kapitalkräftige Organisation. Deshalb konnte der Verbandsvorstand 1927/28 nur die allernotwendigsten Veränderungen für den neuen Zweck veranlassen. Wie es im Boxhammer-Haus, auf Ansichtskarten der Zeit schlicht "Jugendheim" genannt, nach der Einweihung im Mai 1928 aussah, darüber ist uns ein Bericht von Richard Krüger im "Crossener Kreiskalender 1929" erhalten.
Darin wird u.a. genannt:
 • Das obere Stockwerk birgt die Schlafräume für die Heimgäste, und zwar konnten bis zu 28 Personen dort Unterschlupf finden.
 • Die Zimmer hatten - je nach Größe - zwei bis fünf Betten.
 • Ein Fußballplatz ist auf dem Gelände entstanden.
 • Der Tagesablauf war frei von jedem Zwang. Natürlich muß eine gewisse Hausordnung eingehalten werden. Morgens um ¾7 Uhr wurde aufgestanden und abends um 9
   Uhr ging man zur Nachtruhe.
 • Vormittags war Training unter Anleitung eines Sportlehrers.
Strandleben Seebad AfrikaStrand
Boxhammer-Haus: Vorderansicht Boxhammer-Haus Boxhammer-Haus: Einfahrt
Unbekannt ist dem Webmaster, wie das Erholungs- und Ausbildungsprogramm in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 fortgeführt wurde. Jedenfalls überstand die einstige Bleichröder Villa die Kriegsereignisse.
Seit vielen Jahren bildete sie den Kern des polnischen Erholungszentrums "Sobóttka". Der Komplex wurde dazu vielfältig durch Anlagen und Baulichkeiten erweitert.
Heute existiert das Boxhammerhaus nicht mehr - es genügte nicht mehr den modernen Ansprüchen und ist abgerissen worden.


  • Lochwitz - Häuserverzeichnis

Gasthof
Laden

Lochwitz war ein etwas größeres Dorf im Kreis Crossen,deshalb wird hier auf einen Ortsplan und ein Einwohnerverzeichnis verzichtet. Als eine noch verfügbare Quelle verfügen wir über das "Einwohnerbuch des Kreises Crossen/Oder - Ausgabe 1926".
Die darin enthaltenen Angaben werden im folgenden nur kurzgefaßt wiedergegeben:

Es war ein echtes “ Bauern- und Gutsdorf ”.
Es gibt in diesem Einwohnerbuch:
   •  32 Einträge als Landwirte,
   •    8 Einträge als Schiffer.

Lochwitz hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrh. eine gute Infrastruktur. Die Hauptberufe der Bewohner waren neben der Landwirtschaft die Handwerker.
Außerdem sind darin angegeben:
   •  12  Einträge für Bewohner des Ortsteils Lochwitzer Küchengärten,
   •    6  Einträge für Bewohner des Ortsteils Lochwitzer Pferdegarten,
   •    4  Einträge für Bewohner des Ortsteils Lochwitzer Grund.


  • Lochwitz - das Jahr 1945

Das Dorf Lochwitz wurde im Verlaufe der Kriegsereignisse stark zerstört. Besonders schwer wurde das Zentrum des Ortes mitgenommen. Vernichtet wurden die Schule, beide Gasthöfe, das Kaufhaus Pfeiffer und etwa zehn Gehöfte.
Die Reste der Lochwitzer Tuchfabrik gingen in Flammen auf. An Helbigs Berg am Kleinen See standen im Februar 1945 sowjet-russische Geschütze verschiedener Kaliber, die von dort aus Crossen und sein Hinterland beschossen.
Die in den Dörfern im Nordteil des Kreises erfolgten Verschleppungen von Männern und Frauen durch russische Kommandos waren auch in Lochwitz besonders zahlreich.
  Änd 24.12.2017
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