Klebow

(Chlebów)
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Klebow
Klebow liegt 22 km nordwestlich unserer Kreisstadt Crossen/Oder.

Von Frankfurt/Oder (Autobahn) kommend, fährt man auf der ehemaligen Reichsstr. Nr. 5 in Richtung Grünberg.
In Tammendorf (Gestowice) biegt man rechts in Richtung Klebow ab. Nach 3 ½ km wird Klebow erreicht.

Klebow hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 1939    
165 Einwohner   und gehörte mit Riesnitz zum Amtsbezirk Drehnow.



Klebow, ein Dorf im Nordwesten des Kreises Crossen hatte im Grundriß die Form eines durchschnittenen Hühnereies. Das Eigelb bildete der länglichrunde Dorfteich. Er war von Weiden umgeben. In der oberen und unteren Verlängerung seiner Achse standen je zwei Reihen Roßkastanien, abgegrenzt durch je einen Brunnen.
Doppl.Klick für Großformat Der obere Brunnen war abgedeckt und umzäunt. Auf den unteren Brunnen und auf einen weiteren auf der Dorfstraße hatte man zum allgemeinen Gebrauch eine Pumpe gesetzt. Die breite Dorfstraße bot im Wechsel der Jahreszeiten, besonders aber, wenn die Kastanien blühten, ein schönes Bild. Sie war das Eiweiß um das Eigelb. Auf ihr konnten sich selbst an den Schmalseiten des Teiches Erntewagen begegnen.
Gleich der Schale des Eies lagen die einzelnen Gehöfte mit dem nötigen Abstand voneinander da. Sie waren von Blumen- und Gemüsegärten umgeben. Große Obstgärten dehnten sich hinter den Gebäuden aus. Diese schloß der Feldrain ab, der das Dorf von den landwirtschaftlich genutzten Flächen abgrenzte.
Keine Straße kreuzte das Dorf. Nur am höher gelegenen nordöstlichen und am unteren südwestlichen Ende zweigten die Wege zu den Nachbarorten ab.
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  • zur Geschichte des Ortes

Die älteste Erwähnung Klebows ist in einer Aufstellung von 1308 zu finden.
In dieser Urkunde von 1308 bestätigt der Bischof Friedrich I. von Lubuz, daß die Dörfer Drehnow, Tamsdorf, Reczeza (Riesnitz), Klewe (Klebow), Korczygowo (Kurtschow), Trebichow, Radrnikel, Scheberc (Eichberg), Skorin (Skyren), Cigaczis (Zettitz), Budechow (Baudach), Drewitz, Bitemsz (Beutnitz), Dobgriwe (Dobersaul), Glambeck, Tremersborn und Struga (Straube) zur Diözese des Bischofs von Posen gehören.
Klebow wird in dieser Urkunde Klewe genannt. 1441,1759 und 1763 schrieb man den Ortsnamen Klebe. Danach erscheint oft Clebow als Ortsname. Erst ab 1857 findet sich dann die Ortsbezeichnung Klebow.
Die Änderung der alten Schreibweise vollzog sich im Laufe der Zeit aus der Orts- bzw.regional üblichen Umgangssprache.

Was ist der Ursprung Klebows - deutsch oder wendisch?
Die Herkunft der Bezeichnung Klebow ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt dafür zwei unterschiedlichen Versionen:
1. Klebow weist auf Neusiedler aus der gleichnamigen Grafschaft im Westen des alten deutschen Reiches hin.
    Der Ortsname ist eindeutig deutschen Ursprungs.
2. Klebow ist als Ortsname wendischen Ursprung Eine Verbindung zu den slawischen Sprachen ergibt sich zwangsläufig zum Stammwort Chleb = Brot, zumal es in der angrenzenden Lausitz den Ort Niemaschkleba (kein Brot) gab. Dieser sprachlichen Fehleinschätzung folgte man auch nach 1945 mit der nunmehr polnischen Ortsbezeichnung Chlebow, wobei die sprachliche Nähe zum Chleb = Brot betont und damit eine vermeintlich slawische Urform gefunden wurde.


In der Klassifikation 1718/19 wird Klebow wie folgt erwähnt:

In diesem Dokument ist die grundherrschaftliche Abhängigkeit von Tammendorf urkundlich für die Jahre 1718/19 nachgewiesen.
Damals gehörte Gut Klebow dem Generalleutnant Freiherr von Micrander, der die schöne Tammendorfer Kirche erbauen ließ. Die Gemarkung Klebow umfaßte in jener Zeit fünf Ritterhufen und 16 Bauernhufen.

Ungewöhnlich für den Kreis Crossen war es, daß sieben Bauern je zwei Hufen besaßen. Die relativ großen Höfe waren wohl darauf zurückzuführen, daß bei der Besiedlung der Boden als sandig und wenig ertragreich angesehen wurde.

Die Namen der sieben Bauernfamilien von 1718/19 lauteten Siemon, Tücksch, Gurlich, Petrig, Preuß, Zeig und Zweyte. Der Schulze, der nur eine Hufe Land besaß, hieß Christoph Meltzer.

Alle diese Familiennamen sind im Kreis-Crossener Einwohnerbuch von 1926 unter "Klebow" nicht mehr zu finden. Kein ehemaliger Klebower kann sich an sie erinnern.
Klebow


Im Bratring 1806 wird Klebow wie folgt erwähnt:
Klebow Klebow war im Jahre 1806 ein Gutsdorf.
und hatte 1806:
  18 Feuerstellen  123 Einwohner

Wer die heute noch lebenden Klebower nach den Namen ihrer Gutsherren fragt, wird freilich nur auf die Besitzer des Gutes Drehnow   Boetzow (ab 1912) und Sellner hingewiesen. Auch an den Prinzen zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, der Drehnow 1900 besaß, bestehen noch Erinnerungen.
Der Verkauf desGutes Klebow an den Besitzer des Gutes Drehnow dürfte also im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgt sein.

In der “Topografischen Übersicht des Reg.Bez. Frankfurt/Oder” aus dem Jahre1840 erscheint:
  ♦ Klebow: hatte im Jahre 1840      26 Wohngebäude und 167 Einwohner.
  ♦ Klebow: war Dorf und Kolonie zu Tammendorf - und war nach Tammendorf eingepfarrt .

Für das Jahr 1852 werden genannt: Klebow = Dorf und Kolonie zu Tammendorf mit 199 Einwohner


  • Dorfleben in Klebow

Ein abgelegenes Dörfchen im Kreise Crossen war Klebow. Seine Ackerflächen sind umgeben von weiten Kiefernwäldern. Man merkt es ihnen an, daß sie auf den wenig fruchtbaren Sandablagerungen der Eiszeit ihr Leben fristen. Besonders die Donnerberge nach Birkendorf ähneln stark der Lüneburger Heide. Verkrüppelre Kiefern, niederes Strauchwerk, Birken und viele bis über mannshohe Wacholderhüsche säumen die Sandwege.
So sehr abgeschlossen von der Welt aber erscheint Klebow dem Wanderer wiederum nicht. Fast ein Dutzend Wege gehen nach allen Richtungen gleich Fäden eines Spinnennetzes auseinander. Welchen Weg man auch immer geht, in irgendeine von Menschen bewohnte Stätte gelangt man immer.
Die Gegend um Klebow wies einen ungeheuren Pilzreichtum auf, Vor allem "Hähnchen" ( Pfifferlinge) gab es in Massen. Wer die richtigen Stellen kannte, hatte in einer halben Stunde einen Korb voll davon. War ein Fleck abgesucht, so sah man meist das Gelb eines neuen Flecks durch die Zweige leuchten. Um einen Korb Steinpilze zu sammeln, brauchte man freilich etwas mehr Zeit. Doch auch sie gab es reichlich und dazu Lorcheln, Grünlinge und viele andere Arten.
Zweimal in der Woche kam in der Pilzzeit ein Ziebinger Händler mit seinem Wagen, um die gesammelten Pilze aufzukaufen und sie nach Frankfurt/Oder auf den Markt zu bringen. Überhaupt waren die Klebower wirtschaftlich stark nach Ziebingen orientiert. Nach Crossen fuhren sie nur aus besonderem Anlaß.

Wie überall war auch bei uns in Klebow die Landarbeit ein harter Broterwerb. Ganz besonders galt das für die Zeit vor der Mitte der 1920er Jahre, als noch keine Stromleitung in unser Dorf führte und Motore selten und kaum erschwinglich waren. Manche entsinnen sich jedenfalls noch recht gut an die Jahre, in denen Häcksel- und Dreschmaschinen über einen Göpel von im Kreis laufenden Pferden angetrieben wurden.

In unserem kleinen Dorf, in dem sich alles gegenseitig gut kannte, herrschte viel Gemeinschaftssinn. Als bei der Kartoffelernte schon die Rodemaschinen das Hacken mit der Hand abgelöst hatten, pflegten wir noch den Brauch, das Bergen der Erdäpfel mit gegenseitiger Unterstützung Hof für Hof zu erledigen. Jeder Bauer schickte zwei Personen zu dem, der mit Roden dran war. So lasen denn stets zwölf bis 14 Arbeitskräfte die Kartoffeln in die Körbe, während der Hofbesitzer mit dem Schleuderroder eine Reihe nach der anderen rauf und runter fuhr.
Die einzige größere Verschnaufpause bot dabei das Mittagessen. Jede Bauersfrau gab sich Mühe, das Essen, das aufs Feld gebracht wurde, besonders schmackhaft zu machen. Den Tisch ersetzte ein großes Tuch, das ausgebreitet wurde. So entstand auch bei der mühevollen Ernte so etwas wie Geselligkeit. Selbstverständlich war es auch, daß alle in der Nähe mit ihren Gespannen tätigen Bauern vom abzuerntenden Acker mittags und abends eine Fuhre Kartoffeln mit ins Dorf nahmen.

Zum Ort gehörte auch die "Mirgelgrube" . Das war eine 150 m lange, 20 m breite und 8 m tiefe Grube mit abgeflachten Seiten, auf denen Obstbäume standen und Gras wuchs. In alten Zeiten hatte man dort den Lehm für die Fachwerkhäuser geholt. Aber heute besteht Klebow jedoch bereits ausnahmslos aus Ziegelbauten.
In Klebow lebten größtenteils Bauern- und Gutsarbeiter-Familien. Ein erheblicher Teil der Gemarkung war Gutsland, das zuletzt vom Gut Drehnow aus bewirtschaftet wurde. Historisch ältere Bindungen bestanden aber nach Tammendorf, wohin die Klebower auch stets zum Konfirmandenunterricht und zur Kirche gingen. Auf dem Wege dorthin kam man am Dammwildgehege des Gutsbesitzers Fournier , des "Wilden Jägers", vorbei.



  • Klebow - Häuserverzeichnis

Doppl.Klick für Großformat des Ortsplans Für Klebow liegt uns leider weder ein Ortsplan noch ein Einwohnerverzeichnis vor. Als einzige noch verfügbare Quelle verfügen wir über das "Einwohnerbuch des Kreises Crossen/Oder - Ausgabe 1926".
Die darin enthaltenen Angaben werden im folgenden benutzt, dabei sind die Nummern die Hausnummern.

In der unten folgenden Tafel sind sämtliche mit einer Nummer versehenden Häuser von Klebow mit ihren Bewohnern (Stand: 1926) aufgeführt.

Die Tafel zeigt die Häuser in der Reihenfolge aufsteigender Nummern.
Pro Haus wurde in den drei Spalten eingetragen:

   Nummer, Name der Familie, Torsaule(evtl. Beruf)


  1   Förster, Wilhelm Bauer   11   Büttner, Emil Arbeiter   18   Jeserich, Artur Gastwirt  
  2   Blaschke, Fritz Restgutsbesitzer   11   Büttner, Wilhelm Häusler   19   Kulisch, Emil Halbbauer  
  4   Büttner, Paul Bauer   12   Ignatius, Wilhelm Büdner   21   Paech, Friedrich Kaufmann  
  6   Wunderlich, Gustav Büdner   12b  Grandke, Ernst Halbhäusler   22   Dahlisch, Ernst Häusler  
  6b  Döbelt, Albert Nachtwächter   12c  Rehdorf, Wilhelm Halbhäusler   23   Fest, Gottlob Halbhäusler  
  7   Büttner, Paul Restgutsbesitzer   13   Tausch, Johann Restgutsbesitzer   23   Kulisch, Paul Halbhäusler  
  8   Fabian, Gustav Kossät   14   Kulisch, Gustav Bauer   26   Gläser, August Häusler  
 10   Janisch, Karl Restgutsbesitzer   16   Watschke, Alfred Bauer             

Für den Gutsbezirk Klebow (keine Hausnummer vorhanden) wurden genannt:
  • Eichler, Gustav     als Gutsinspektor
  • Klenke, Bernhard  als Förster

sowie die Gutsfamilien:

       Gläser, Richard Gräber, Adolf Lootze, Gustav Lutz, Gustav Oswald, Paul Thonicke, Ernst
  Änd 07.01.2017
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