Kähmen-Murzig

(Kamień-Morsko )
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Kähmen
Kähmen

Kähmen liegt ca.1½ km nordöstlich von Crossen.
Murzig   liegt ca.3½ km nordöstlich von Crossen.

Vom Ausgangspunkt "Verkehrskreisel" (am Ende der Bismarckstr.) fährt man zunächst in Richtung Rädnitz.
Nach 1 km biegt man nach links in Richtung Kähmen ab. Nach weiteren 2½ km wird Murzig erreicht.
Im Zuge des Gesetzes über die "Auflösung der Gutsbezirke" wurden im Jahre 1928 die beiden Gemeinden Kähmen und Murzig zu einer Großgemeinde "Kähmen" zusammengeführt, d.h. für die geschichtlichen Betrachtungen waren es bis 1928 immer zwei selbständige Dörfer.
Kähmen (einschließlich Murzig) hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 1939     373 Einwohner   und gehörte zum Amtsbezirk Kähmen.


  • zur Geschichte des Ortes

Die Geschichte der beiden Dörfer Kähmen und Murzig liegt im Dunkeln. Es gibt keinerlei schriftlichen Quellen darüber.
Kähmen - wendisch Kamienny,d.h. in steiniger Gegend befindend, - der Name weist auf eine Siedlung slawischen Ursprungs hin.
Murzig war - historisch gesehen - nur ein Vorwerk des Gutes Kähmen.

In der Klassifikation 1718/19 werden Kähmen und Murzig wie folgt erwähnt:



In Kähmen war der Gutsbesitzer der Hauptmann Ämilius Otto von Brand. Er wohnte in Kähmen und hatte zwei Söhne.
Die 7 Gärtner (Kleinlandwirte) des Ortes waren Christoph Kuschke, Martin Nicksch, Martin Croll, Christoph Wolff, Michel Gerlach, Christoph Welach, Christoph Woytke.
Der Acker war schlecht. Wenn ein Stück bestellt worden war, mußte es lange unbestellt bleiben. Der leichte, weiche Sand wurde teilweise vom Wind weggeweht. Die Niederung bestand aus Moorboden. So waren auch die Weide und die Viehzucht schlecht.
Es gab 22 Ochsen, 44 Rinder, 21 Schweine und 26 Zuchtgänse in Kähmen.
Die Gutsschäferei hielt 500 Schafe. Der Hirte, Jürgen Petcke, nahm auch das Vieh des Ortes mit auf die Weide. Das Lagerholz war notdürftig.
Durch Handarbeiten hatten die Leute geringe Nebeneinnahmen. Einen Krüger gab es nicht.
Mehr als 12 Hufen Land wurden nicht bestellt, weil der Boden zu schlecht war, und eine Bearbeitung und Bestellung sich nicht lohnte.

Murzig war in Besitz der Witwe des Kanzlers v. Brand. Dieses Dorf besaß sie auf Lebenszeit, und ihr Sohn war der Besitzer von Kähmen.
Die 3 Gärtner des Ortes waren F.Guckug, M.Kramer und H.Kupsch.
Der Acker ist mittelmäßig, zum Teil sandig, in der Niederung sumpfig.
Goskar und Lochwitz hatten das Auftriftsrecht.
Viehbestand auf einer Gärtnerhufe: 2 Rinder, 3 Schweine, 2 Gänse.
10½ Hufen wären noch zu besetzen, aber niemand will sich dazu finden.

Im Bratring 1806 steht geschrieben:
Kähmen 1806
Kähmen war im Jahre 1806 ein Gutsdorf - es gehörte der Witwe von Vogel.
Es hatte 5 Kossäten, 8 Büdner, 1 Einlieger und eine Schmiede und ein Teerofen,eine Wassermühle (die Pfeffermühle).
Kähmen hatte 1806:  17 Feuerstellen   141 Einwohner.

Murzig 1806
Murzig war im Jahre 1806 ein Gutsdorf - es gehörte der Witwe von Vogel zu Kähmen.
Es hatte 4 Kossäten, 9 Büdner und 3 Einlieger.
Murzig hatte 1806: 15 Feuerstellen  110 Einwohner.


Ausschnitt aus der Kreiskarte
      Ausschnitt aus der Kreiskarte
In der “Topografischen Übersicht des Reg.Bez. Frankfurt/Oder” aus dem Jahre 1844 erscheint:
 ♦  Kähmen war ein Dorf mit einem Gut, 1 Teerofen, 1 Ziegelei, 1 Windmühle, 1 Försterei.
 ♦  es hatte 28 Wohngebäude und 257 Einwohner - eingepfarrt zur Andreaskirche in Crossen.
 ♦  es gab 1 Rittergut, das in Besitz von Jacob Caspar war.
 ♦  Murzig war ein Dorf mit einem Gut und 1 Vorwerk.
 ♦  es hatte 16 Wohngebäude und 102 Einwohner - eingepfarrt zur Andreaskirche in Crossen.
 ♦  es gab 1 Rittergut, das in Besitz von Jacob Caspar zu Kähmen war.
 ♦  außerdem der Murziger Holländer - ein Etablissiment - mit 4 Häusern u. 21 Einwohnern.

Für das Jahr 1852 werden genannt:
 •  Kähmen hat 239 Einwohner = war ein Dorf mit Rittergut.
 •  Murzig hat 102 Einwohner = war ein Dorf mit Rittergut und Ziegelei.
 •  der Murziger Holländer - ein Etablissiment - wurde mit 23 Bewohnern angegeben.

Im Riehl und Scheu "Berlin und die Mark Brandenburg …" von 1861 wird geschrieben:
 ♦  Kähmen hatte 23 Häuser, 204 Einwohner, eine Försterei mit 1 Haus und 10 Einwohnern.
 ♦  in den Küchengärten: 2 Häuser und 15 Einwohner.
 ♦  Murzig hatte 15 Häuser, 85 Einwohner, außerdem die Ziegelei: 1 Haus und 10 Bewohner,
 ♦  im Murziger Holländer: 4 Häuser und 20 Einwohner.

  • Das Rittergut in Kähmen

Schloss
   Kähmen - Gutsschloß
Im 18. Jahrhundert waren Kähmen und Murzig im Besitz der Familie von Vogel, aber das Gut wurde bereits im Jahre 1764 in den Besitz eines Beamten aus Crossen namens Boche überführt.
Jacob Caspar erwarb 1837 das Gut in Kähmen und es blieb nach seinem Tod bis Ende des 19. Jahrhunderts in den Händen seiner nächsten Erben.
1879 wurde festgestellt, dass die Güter Georg Caspar gehörten, und im Dorf eine Mühle und ein Sägewerk, ein Kalkofen und eine Ziegelei vorhanden waren.
Das Anwesen gehörte 1892 Paul Friedrich Eger und vor dem Zweiten Weltkrieg dem königlichen Förster Eberhard von Groote.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges blieb im nordwestlichen Teil des Dorfes vom Kähmener Gut ein Schloß, Park und Gutshofkomplex erhalten. Dieses Schloß ist das dominierende Objekt des Gutskomplexes, das eine ovale Auffahrt mit einem Steinbrunnen in der Mitte führt. Um den Hof gruppieren sich die zugehörigen Wirtschaftsgebäude.
Das Gutsschloß von Kähmen ist ein Gebäude mit rechteckigem Grundriss mit einer Terrasse an der Fassade und einer Veranda an der Gartenfassade. Das Gebäude hat ein hohes Walmdach. Die Frontfassade ist mit einem Risalit ausgestattet, der die kleine Terrasse und Teile der Dachfassade krönt. Das Eingangsportal befindet sich im Risalit.
Im Inneren des Gebäudes, das nach 1945 von den neu angesiedelten Polen im Zusammenhang mit der Anpassung an die Bedürfnisse der Landwirtschaftlichen Technischen Schule wesentlich verändert wurde, sind nur noch teilweise erhaltene Fenster- und Türarbeiten und Holzschnitzereien von Treppen erhalten geblieben.


  • Murzig - Infrastruktur

Den folgenden Artikel verdanken wir dem ehemaligen Murziger H.J. Hoffmann, der in den "Heimatgrüßen" veröffentlicht wurde.
Er wird nun auszugsweise wiedergegeben.

Murzig war ein kleines Dorf - es zählte 13 Anwesen. Hinzu kamen die Häuser für die Gutsarbeiter und das Vorwerk mit drei Familien. Insgesamt zählte die Ortschaft etwa 80 Einwohner.
Von den durchweg kleinen landwirtschaftlichen Betrieben Murzigs besaßen nur zwei ein Pferdegespann. Die anderen ackerten mit Kuhgespannen. Der landwirtschaftliche Ertrag reichte nicht zur Ernährung der Familien aus. Deshalb gingen die Männer fast alle einem weiteren Erwerb nach. Der Vater von H.J. Hoffmann war Tischler und hatte seine Kunden vor allem in Goskar, aber auch in Lochwitz und Hundsbelle. Andere Väter fuhren in die Ziegelei, arbeiteten als Schmied oder hatten eine Stellung irgendwo in der Kreisstadt.

Kähmen-Murzig hatte bis zur Vertreibung der aller Einwohner im Jahre 1945 keine Elektrizitätsversorgung, obwohl eine Starkstromleitung in einer Entfernung von einem Kilometer daran vorbeiführte. Zunächst erlaubten die Bauern nicht, daß auf ihren Feldern Masten aufgestellt wurden. Als dann 1942 alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen, verhinderten die Engpässe der Kriegswirtschaft die Verwirklichung des Projektes.
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       Heim der "Wandervögel"
So mußten die deutschen Murziger bis zum bitteren Ende mit Petroleumlampen auskommen. In ihrem Dorf gab es keinen Laden, keine Gastwirtschaft und keine Schule. Dienstags, donnerstags und sonnabends kam Bäcker Hartmann aus Rädnitz zunächst mit Planwagen und Pferd, später mit einem DKW, um die Einwohner mit Lebensmitteln zu versorgen. Zwei weitere Händler brachten per Fahrrad Leinöl und Petroleum.
Trotzdem kannten sehr viele Dauer- und Kurzzeit-Crossener die kleine damals nur über einen Feldweg zugängliche Ansiedlung und ihre anmutige Umgebung. An dem Weg, der vom Dorfkern nach Norden zum Murziger Teich und weiter zum Vorwerk führte, stand nahe am Wasser ein altes kleines Haus mit einer Rasenfläche davor. Das nutzte in den 1920er Jahren die Crossener Gruppe der Märkischen Wandervereinigung.
An jedem Wochenende kamen die "Wandervögel" hierher. Sie spielten Krocket, trieben also mit Schlägern Kugeln durch kleine Drahtbügel, wobei ihnen die Murziger Kinder interessiert zusahen, und pflegten darüber hinaus viel Geselligkeit.
Als um 1933 die "Wandervögel" politisch nicht mehr genehm waren, bezogen die "Stahlhelmer", die deutschnationalen Ex-Soldaten des 1. Weltkriegs, das Häuschen. Auch deren Tage blieben unter der nationalsozialistischen Regierung gezählt. Schließlich diente das Anwesen der örtlichen Hitler-Jugend als Heim.

Der zweiteilige Murziger Teich nördlich der Ortschaft hatte bis in 60 cm Tiefe klares Wasser. Darunter war endloser Sumpf. Es soll einmal eine Kuh völlig darin verschwunden sein. Ringsherum war ein breiter Schilfgürtel mit Hechtkraut, Kaupen und vielen Erlensträuchern. Auf dem Wasser blühten herrlich die weißen Seerosen.
In Winter fror der Teich zu und bot den Kindern eine wunderschöne Eisbahn. Dann wurde das Schilf geerntet, das die Murziger und auch Goskarer Bauern als Einstreu fürs Vieh und zum Dachdecken brauchten. Bei dieser Arbeit wurde stets bemerkt, daß einige Stellen des Gewässers nicht zugefroren waren.

Dort lagen und liegen die Quellen des Kähmener Fließes, das die Crossener Bürger den "Orinoko" nannten. Es kommt also aus dem Murziger Teich, durchfließt den Kähmener Teich, verläuft dann an der Ostseite der Alvenslebenkaserne entlang und mündet in der Nähe der einstigen Pfeffermühle am Weg von Crossen nach Hundsbelle in die Oder.

Das, was vom deutschen Murzig übrig blieb, heißt jetzt polnisch Morsko. Einige Häuser verschwanden, darunter das Wandervogel-Heim. Die neu angesiedelten Polen haben die Ortschaft mit Stromanschluß versehen und vor einigen Jahren auch eine gute asphaltierte Straße von Kähmen dorthin gebaut. Der Friedhof wurde mit der Planierraupe eingeebnet. Gebüsch wuchert auf der Fläche. Einige Felder sind in Laubwälder verwandelt. Der Murziger Teich ist vollkommen zugewachsen. Naturfreunde sind gewiß angetan vom heutigen Biotop-Zustand der Umgebung des kleinen Dorfes.


  • Häuserverzeichnis

Murzig

Dem Webmaster stand für die beiden Dörfer Kähmen und Murzig leider kein Ortsplan zur Verfügung, deshalb wird das "Einwohnerbuch des Kreises Crossen/Oder - Ausgabe 1926" benutzt.
Die darin enthaltenen Angaben werden im folgenden nur kurzgefaßt wiedergegeben:

Es war ein echtes “ Bauern- und Gutsdorf ”.
Es gibt in diesem Einwohnerbuch für Kähmen:
   •  35 Einträge für die Dorfbewohner (leider ohne Hausnummern),
   •  39 Einträge für die Gutsbewohner.
      davon wohnten 6 Familien in der Borngasse u. 6 Familien in den Küchengärten.

Außerdem sind darin für Murzig angegeben:
   •  12  Einträge (Häuser) für die Dorfbewohner.
   •    7  Einträge für Bewohner des Murziger Rittergutes.
  Änd 01.01.2018
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